Platz da! : Poller in Reihe – für mehr Raumgefühl

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Der Hermannplatz wird ein Stück nach Südosten verschoben. Alle Fahrspuren werden auf die nordwestliche Seite vor die Karstadt-Filiale verlegt – sie werden ein Drittel des Hermannplatzes einnehmen. Die anderen zwei Drittel sollen den Fußgängern gehören, die dann nicht mehr auf einer Art Verkehrsinsel herumlaufen müssen. Ein solches Modell hat der Bezirk schon vor einigen Jahren beschlossen. Ein Verkehrsplaner hat ein entsprechendes Konzept dazu vorgelegt.

Auch wenn der Bezirk erst frühestens 2015 beginnen wird, diesen Plan umzusetzen, hat Landschaftsarchitekt Gero Goldmann diese Planung bei seinem Entwurf schon berücksichtigt. Beim ihm heißt es: Folge dem blauen Licht. Er stellt sich für den Hermannplatz eine ganz besondere Beleuchtung vor, lange „Lichtbänder“, die in den Boden eingelassen werden, sollen den Platz nachts von unten erhellen. „Ich will mit Beleuchtung spielen und den Platz in Szene setzen. Dadurch wird er auch sicherer, die Aufenthaltsqualität für den Abend verbessert sich“, sagt Goldmann. Die Lichtbänder sind in Granitstreifen eingelassen, die sich vom Rest des Pflasters auch tagsüber optisch abheben – und so den Hermannplatz, wenn man ihn aus der Luft betrachtet, in ein Raster aus 1,50 Meter breiten Linien unterteilen.

Die Linien laufen über das gesamte Areal. Sie beginnen bei den Läden auf der südöstlichen Seite. In diesem Drittel bestehen sie zum Teil nicht nur aus Pflastersteinen und Lampen, sondern auch aus langen Bänken und zylindrischen Pollern aus absichtlich angerostetem, rötlichem Corten-Stahl. Die Poller stehen links und rechts der Bänke auf den Linien und auch auf den breiten Rückenlehnen der Steinbänke, so dass die Menschen sich von den Zylindern umgeben fühlen. „Die Stahlpoller bilden auf jedem der Streifen jeweils eine Art Spanische Wand, durch die man aber gleichzeitig hindurchsehen kann. So entsteht ein Raumgefühl und außerdem wird der Sicherheitsaspekt berücksichtigt.“ In diesem südöstlichen Drittel, so stellt Goldmann es sich vor, könnten in den einzelnen Abschnitten des Rasters beispielsweise Cafés ihre Tische und Stühle aufstellen.

Im mittleren Drittel des Platzes darf dagegen nichts herumstehen. Dort muss eine Spur für den Nachtbus frei bleiben. Der soll nämlich nach der Planung von Bezirk und BVG nicht auf der normalen Busspur fahren. Die Statue des Tanzenden Paares müsste ein Stück verrückt werden. Zwischen der Nachtbusspur und der Fahrbahn plant Goldmann im nördlichen Teil einen Reihe Fahrradständer. Davor würde er eine Art Zaun zwischen Fahrbahn und Platz aufstellen – wieder aus Corten-Stahlpollern. Nur in der Mitte, wo die Bushaltestellen vorgesehen sind, sollen die Poller nicht stehen.

Die Licht-Granit-Bänder, die durch die Fahrspuren unterbrochen sind, werden auf dem Bürgersteig vor Karstadt fortgeführt. „Ich habe mir Lichtbänder in Blau vorgestellt. Aber es kommen auch alle möglichen anderen Farben und verschiedene Helligkeiten infrage“, sagt Goldmann. „Man könnte ein solches Lichtspiel auch noch an den Fassaden hochziehen.“

Auch für den Markt ändert sich in seinem Entwurf einiges. Er wird auf dem nördlichen Teil Platz finden, der allerdings etwas kleiner als heute ist. Bäume gibt es in Goldmanns Entwurf nicht: „Die Bäume, die jetzt dort sind, mickern vor sich hin, weil kein Geld für die Pflege da ist. Und weil die U-Bahn zu dicht unter dem Platz verläuft. Da ist zu wenig Platz für die Wurzeln.“ Statt der Bäume würde Goldmann Leuchten, ebenfalls aus Corten-Stahl, aufstellen, die ein wenig an Bäume erinnern. Daniela Martens

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