Berlin : Platzeck froh, Schönbohm geschlagen

Der SPD-Chef sieht das Ziel erreicht. Der CDU-Chef spricht von bitterem Ergebnis

Michael Mara,Thorsten Metzner

Potsdam. In Brandenburg ist die SPD bei der gestrigen Bundestagswahl stärkste politische Kraft geworden, und das mit deutlichem Abstand vor der zweitplatzierten Linkspartei und der drittplatzierten CDU. Nach dem vorläufigen Endergebnis des Landeswahlleiters führten die Sozialdemokraten deutlich mit 35,8 Prozent der Stimmen, gefolgt von der Linkspartei.PDS mit 26,6. Die CDU kam lediglich auf 20,6 Prozent. Die SPD konnte alle zehn Brandenburger Wahlkreise direkt gewinnen. FDP und Grüne erreichten in Brandenburg 6,9 beziehungsweise 5,1 Prozent.

Ministerpräsident und SPD-Landeschef Matthias Platzeck sagte zum Abschneiden seiner Partei gegenüber dieser Zeitung, die SPD habe ihr Wahlziel erreicht. „Wir wollten stärkste politische Kraft werden. Das haben wir geschafft“, sagt er. Den Stimmenverlust gegenüber der Bundestagswahl 2002 von rund zehn Prozentpunkten kommentierte Platzeck so: „Dass wir das außergewöhnliche Ergebnis von 46 Prozent nicht erreichen würden, war von vornherein klar.“ Deshalb sei er nicht unzufrieden. CDU und Linkspartei seien deutlich in die Schranken gewiesen worden.

Trübe Stimmung herrschte denn auch bei der CDU. Der Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm zeigte sich enttäuscht vom Abschneiden der Union und sprach von einem „bitteren Ergebnis“. Seine Partei habe weiter verloren. Zu den Ursachen wollte sich Schönbohm noch nicht äußern: „Dazu ist es zu früh.“ Weiter sagte er: „Wir müssen überlegen, wie wir besser werden und die Bürger erreichen können.“ Von persönlichen Konsequenzen wollte Schönbohm nichts wissen: „Wenn man das Brandenburger Ergebnis mit dem Bundesergebnis vergleicht, relativiert sich vieles.“ Er bleibe „an vorderster Front“. Geschlossenheit sei jetzt wichtig. CDU-Kulturministerin Johanna Wanka sagte: „Die Situation für die CDU ist in Brandenburg schon immer schwieriger als in anderen Bundesländern.“ Dennoch sei es notwendig, „die Ergebnisse genau zu analysieren und die nötigen Schlussfolgerungen zu ziehen.“ Wie diese aussehen könnten, sagte sie nicht.

In der CDU wird jedoch nicht mit einer Schönbohm-Debatte gerechnet. Und zwar schon deshalb nicht, weil der Schock über das Bundesergebnis tief sitze, und der Verlust gegenüber 2002 mit unter zwei Prozentpunkten eher gering ausfällt. Eher könne, erklärten mehrere CDU-Politiker gegenüber dieser Zeitung, der Stuhl von Generalsekretär und Wahlkampfleiter Sven Petke wackeln. Es habe „für erhebliche Irritationen und Verärgerungen gesorgt“, dass Petke nicht zur Wahlkampfparty in der CDU-Landeszentrale um 18 Uhr erschienen sei, sagten Christdemokraten.

PDS-Landeschef Thomas Nord und Fraktionschefin Dagmar Enkelmann zeigten sich mit dem Ergebnis ihrer Partei „zufrieden“. Das wichtigste Ziel, nämlich der Einzug in den Bundestag in Fraktionsstärke, sei erreicht worden. Linkspartei-Genossen sprachen allerdings von einem „Wermutstropfen“: Das Ziel, zwei Direktmandate zu gewinnen, sei nicht erreicht worden. FDP und Grüne zeigten sich mit dem Abschneiden ihrer Parteien zufrieden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar