Berlin : Platzhirsch springt ab

Das KaDeWe verlässt die AG City Verein möchte das Warenhaus zurückgewinnen

Der Austritt des KaDeWe aus der Arbeitsgemeinschaft City hat dort Überraschung und Verwunderung ausgelöst: „Wir wissen nicht, warum es dazu gekommen ist“, sagte Vorstandsmitglied Gerd-Peter Huber, der auch die Werbegemeinschaft im Europa-Center leitet. Der gerade von einer Reise zurückgekehrte Vereinsvorsitzende Klaus-Jürgen Meier erfuhr gestern erst von dem Kündigungsschreiben, das KaDeWe-Geschäftsführer Patrice Wagner vor wenigen Tagen versandt hatte. Jetzt will die AG City ihn schriftlich um ein Gespräch bitten.

In einem Tagesspiegel-Interview hatte der Chef des größten deutschen Warenhauses den Austritt bekannt gemacht. Die Konzepte des Vereins seien „nicht überzeugend“. Einzelheiten nannte er aber nicht. Das Austrittsschreiben enthalte keine Begründung, sagte die Geschäftsstellenleiterin der AG City, Jennifer Woelki. Unklar bleiben die Folgen für den 1976 gegründeten Verein. Unter den rund 150 Mitgliedern sind Händler, Immobilienunternehmer, Anwälte, Hotels und Theater. Das KaDeWe sei „natürlich der Platzhirsch Nummer eins“, urteilt der Vorsitzende Meier.

Gerd-Peter Huber meint, dass der Verein „nicht auseinanderfallen“ wird. Eigentlich sei die AG City traditionell „von Karstadt geprägt“. Zur Karstadt-Gruppe zählen neben dem KaDeWe Wertheim am Kurfürstendamm und Karstadt Sport im Neuen Kranzler-Eck. Der ehemalige KaDeWe-Chef Volker Weihe war AG-City-Vorsitzender und ist heute noch Beirat. Zudem sitzt der Karstadt-Verkaufsleiter für die Region Nord/Berlin, Olaf Erle, im neunköpfigen Vorstand.

Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg wollte den Konflikt nicht bewerten. Generell „bemühen wir uns, immer die Kräfte vor Ort zusammenzuhalten“. In der Arbeit der Händlergemeinschaften müssten sich „die Akteure aber auch wiederfinden“.

Möglicherweise haben Auseinandersetzungen um die „Lange Nacht des Shoppings“ zum Austritt beigetragen. Die Einkaufsparty wird allerdings nicht von der AG City organisiert, sondern vom Unternehmer Tommy Erbe. KaDeWe-Chef Wagner hatte das Niveau der Veranstaltung kritisiert. Das Warenhaus ist nicht mehr offizieller Partner der Shoppingnacht und öffnet nunmehr eigenständig bis 24 Uhr.

Für heute hat die AG City zu einem Gespräch über neue Konzepte für die Shoppingnacht eingeladen. Der Verein möchte als Vermittler auftreten. Erwartet werden Vertreter großer Anlieger des Kurfürstendamms und der Tauentzienstraße, der Charlottenburg-Wilmersdorfer Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) und Festveranstalter Erbe. Das KaDeWe hingegen hat abgesagt. CD

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