Berlin : Platzprobleme

Wo soll Berlins neue Kunsthalle hin? Das Tauziehen um den Standort hat begonnen. Der neue Vorschlag lautet: Hamburger Bahnhof

Matthias Oloew

Die Entscheidung, ob Berlin eine neue Kunsthalle erhält, ist noch nicht gefallen, doch der Wettlauf um ihren Standort hat längst begonnen. Am Mittwoch stellte die Projektentwicklungsgesellschaft Vivico Pläne für einen sogenannten Kunst- Campus am Hamburger Bahnhof vor. Aus renovierungsbedürftigen Lagerhallen hinter dem Hamburger Bahnhof wird 2008 eine neue Heimstatt für Galeristen, die sich der zeitgenössischen Kunst widmen. Ein Projekt mit Pilotcharakter, denn genau an dieser Stelle möchte Eugen Blume, Chef des Hamburger Bahnhofs, auch die Kunsthalle errichtet sehen. „Der ideale Standort“, sagt er.

Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) hatte sich in der letzten Sitzung des Kulturausschusses nicht nur für den Bau einer temporären Kunsthalle auf dem Schlossplatz ausgesprochen, sondern auch für den Bau einer neuen Kunsthalle. Die Standortfrage ließ er allerdings offen und nannte neben dem Hamburger Bahnhof unter anderem das denkmalgeschützte Postfuhramt an der Oranienburger Straße in Mitte. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Pläne der Vivico in einem anderen Licht. Niederlassungsleiter Michael Burrack kann sich die Vivico auch als Bauherrin für die Kunsthalle vorstellen, die dann langfristig an Berlin vermietet wird.

Zunächst aber steckt die Gesellschaft 1,7 Millionen Euro in die Sanierung und den Umbau der 2500 Quadratmeter großen Lagerhallen. Parallel zu dieser „Halle am Wasser“ – hinter ihr verläuft der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal – stehen die Rieckhallen, in denen der Hamburger Bahnhof seit 2004 die Flick Collection zeigt. Mit dem Museum entsteht ein großer Hof, an dessen nördlichem Ende die Kunsthalle errichtet werden könnte. Auf dem Hof, den die Vivico für Autos sperren wird, will Eugen Blume große Skulpturen aus dem Depot des Hamburger Bahnhofs aufstellen. „Wir wollen sehr viel dafür tun, damit sich hier der wichtigste Standort für die zeitgenössische Kunst in Berlin entwickelt“, sagt Blume.

Die Bauarbeiten für die Hallen am Wasser beginnen demnächst. „Die ersten Ausstellungen werden voraussichtlich im März 2008 zu sehen sein“, sagt Kristian Jarmuschek, der zusammen mit seinen Partnern Friedrich Loock und Harald Frisch für zehn Jahre einen Mietvertrag bei der Vivico unterschrieben hat.

Die drei planen, noch fünf weitere Galeristen und Privatsammler zu finden, die mit ihnen gemeinsam die Halle am Wasser nutzen und Ausstellungen zeigen. Bedenken, dass es dafür zu wenig Interesse gibt, hat Jarmuschek nicht. „Die Hallen sind ideal, um zeitgenössische Kunst zu zeigen und das Interesse von Galeristen, zum Beispiel aus dem Rheinland, nach Berlin zu kommen, ist groß.“ Er glaubt auch an die Sogwirkung des Standorts: Neben dem Hamburger Bahnhof und der Flick Collection hat auch der Künstler Olafur Eliasson in der Nachbarschaft seine Ateliers.

Während Jarmuschek und Blume schon ein neues Kulturzentrum wachsen sehen, verspricht sich die Vivico vom Erfolg dieses Kunstkonzepts Schubkraft für die Entwicklung des gesamten Areals entlang der Heidestraße. Mehr als sieben Hektar gehören der bundeseigenen Entwicklungsgesellschaft. Die warten ebenso auf eine städtebaulichen Idee wie die 30 Hektar auf der anderen Seite der Heidestraße, die größtenteils der Bahn AG gehören. „Hier entsteht letztendlich ein neuer Stadtteil“, sagt Burrack. „Und um ihm Urbanität einzuhauchen, kann uns ein erfolgreicher Kunstcampus helfen.“ Umso mehr, wenn dann auch noch die Kunsthalle kommt.

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