Berlin : Plenarsaal ohne Durchblick Streit um Gestaltung des Potsdamer Schlosses

von

Potsdam – Es sollte ein heller, lichtdurchfluteter Saal werden, gewissermaßen das Herz des Potsdamer Stadtschlosses, das seit März nach Vorbild des einstigen Knobelsdorffschen Wahrzeichens auf dem Alten Markt errichtet wird. Doch zwischen Landtag und Landesregierung auf der einen und dem Architekten Peter Kulka sowie dem Baukonzern BAM Deutschland AG auf der anderen Seite gibt es Streit über immer neue Vorschläge für den Plenarsaal. Inzwischen wird intern die Gefahr gesehen, es könne ein Saal entstehen, der nicht „der vereinbarten architektonischen Qualität“ entspricht. Das jedenfalls befürchten Mitglieder des Landtagspräsidiums und Experten der Regierung. Mehrere mit dem Neubau befasste Parlamentarier, aber auch die Spitze der Landtagsverwaltung äußerten inoffiziell den Eindruck, dass mit dieser abgespeckten Variante Kosten gesenkt werden sollen.

Denn das Land baut das Schloss nicht selbst. Der neue Landtag wird bis 2013 für 120 Millionen Euro in öffentlich-privater Partnerschaft (PPP) von der BAM Deutschland AG errichtet und dann weitere 30 Jahre betrieben. Von der Eröffnung bis 2043 zahlt das Land jährlich zehn Millionen Euro an den Konzern, der dann für Heizung, Reinigung, Technik und Bewachung sorgt.

Auf der jüngsten Präsidiumssitzung des Parlaments hatten Kulkas neue Entwürfe zur Innengestaltung für eine bessere Akustik Verwunderung ausgelöst, weil diese vom Siegerentwurf des Architekten erheblich abweichen. Dabei hatte der frühere Finanz- und jetzige Finanzminister Rainer Speer (SPD) vergangenes Jahr noch Bilder eines überaus hellen, nach oben hin zur einer Glaskonstruktion offenen Saals präsentiert. Es waren weiße Wände, silberne Vorsprünge, eine Glaskonstruktion und rote Stühle im Plenarrund vorgesehen, was an die rot-weiße Brandenburg-Fahne erinnern sollte.

Kulka dagegen will nun eine Art Zwischendecke mit ovaler Öffnung und eine dunkle Holzvertäfelung einbauen. Im Landtagspräsidium herrschte deutliche Skepsis. Kulkas Aussagen zur Akustik seien nicht plausibel, hieß es. SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Klara Geywitz und Linke-Fraktionschefin Kerstin Kaiser kritisierten in der internen Präsidiumssitzung vergangene Woche, sie wollten „nicht in einer Sprelacart-Schrankwand“ – wie sie in der DDR üblich waren – sitzen. Während der BAM-Konzern auf eine zügige Entscheidung in dieser Planungsfrage drängt, will das Präsidium aber nur unter strengen Bedingungen den geänderten Plänen zustimmen. Kritik wurde auch am zuständigen Finanzminister Helmuth Markov (Linke) laut, weil dieser nicht hart genug mit Kulka und dem Baukonzern verhandle. „Unter seinem Vorgänger Speer wären diese neuen Vorschläge gar nicht erst auf unseren Tisch gekommen“, hieß es von Beteiligten. Alexander Fröhlich

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben