• Plötzlich blutete die Kollegin aus mehreren Stichwunden - Türkischer Radio-Moderator vor Gericht

Berlin : Plötzlich blutete die Kollegin aus mehreren Stichwunden - Türkischer Radio-Moderator vor Gericht

Peter Murakami

Einst War Ali B. ein bekannter Moderator beim türkischen Kabelsender TD1. Seit gestern steht er als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Moabit und muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten, weil er seine Kollegin Arzu C. niedergestochen hat. War es Eifersucht oder die Zurückweisung, die den 40-Jährigen durchdrehen ließ?

"Wenn du mich nicht liebst, töte mich", hatte er am 7. Januar 1999 in seiner Wohnung von der 27-jährigen Ehefrau und Mutter verlangt und ihr ein Küchenmesser hingehalten. Wie es dazu kam, dass sie plötzlich aus mehreren Stichwunden blutete, könne er sich nicht erklären, sagte er vor Gericht. "Alles ist wie weggewischt."

Dafür schilderte er um so ausführlicher, was dem Drama vorausging. Etwa ein halbes Jahr vor der Tat habe er Arzu C., die in der Musikredaktion des Senders arbeitete, kennengelernt. Sie sei von Anfang an hinter ihm her gewesen. Bald darauf habe er ein Verhältnis mit der von ihrem Ehemann getrennt lebenden Frau angefangen. Weil sie Angst vor ihrem Mann hatte, habe sie zeitweilig bei ihm gelebt, während ihr achtjähriges Kind bei den Großeltern untergebracht war. Im November 1998 habe sie ihm überraschend eröffnet, dass sie zu ihrem Ehemann zurückkehren wolle. Mit den Worten: "Guten Tag, das war unsere letzte gemeinsame Nacht", habe sie sich verabschiedet.

Wenige Tage später sei sie dann doch wieder zu ihm zurückgekehrt, weil sie es bei ihrem Mann nicht ausgehalten habe - nur um einige Tage danach erneut die Rückkehr zu ihrem Mann anzukündigen. "Das war nicht so einfach für mich, wir wollten doch heiraten", schluchzte Ali B.

Arzu C. selbst bestreitet, jemals eine Beziehung mit dem Beschuldigten gehabt zu haben. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte sie damals ausgesagt, dass Ali B. ihr nachgestellt habe. Auch ihre Beteuerungen, dass sie verheiratet sei und ihren Mann liebe, habe ihn nicht entmutigen können. Am Tag der Tat habe er sie aus dem Fenster seiner Wohnung zu sich gerufen, um mit ihr zu reden. Dort habe er sie wieder mit seinen Liebesbeteuerungen belästigt. Als sie ihm gesagt habe, dass sie das nicht hören wolle, habe er ihr das Messer in die Hand gedrückt und sie aufgefordert ihn zu töten, wenn sie ihn nicht lieben könne.

"Was glauben sie, warum Frau Arzu C. bestreitet, ein Verhältnis mit ihnen gehabt zu haben?" hielt ihm die Richterin vor. "Ich verstehe nicht, weshalb sie lügt", antwortete der Angeklagte: "Es muss ihr doch klar sein, dass beim Prozess alles herauskommt." Allerdings sei auch im Sender nichts über eine Beziehung zwischen Ali B. und Arzu C. bekannt gewesen. An einem der nächsten Verhandlungstage wird zur Klärung dieser Frage neben Arzu C. auch noch eine Kollegin von Ali B. als Zeugin gehört werden. Möglicherweise wird das Gericht dann auch herausfinden, ob der Beschuldigte seinem Opfer nach der Tat - wie behauptet - mit Erste-Hilfe-Maßnahmen half, oder ob er stattdessen die junge Frau hilflos ihrem Schicksal überließ. Unmittelbar nach der Tat war Ali B. mit dem Auto bis nach Nürnberg geflüchtet, hatte sich aber am Tag darauf der Polizei gestellt.

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