Berlin : Plötzlich sackte die Straße ab

Ein Knall, ein Krater: Bei Cottbus gab es eine Explosion – die Ursache ist unklar.

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Neuhausen - Die Experten stehen vor einem Rätsel. Eine Explosion hat am Mittwoch einen Krater von etwa zehn Metern Durchmesser neben einer Brandenburger Landstraße in der Lausitz gerissen. Anwohner in Neuhausen (Spree-Neiße) berichteten, sie hätten am Morgen einen lauten Knall gehört und eine Sandfontäne gesehen, die bis zu den Baumwipfeln reichte. Die Straße zwischen Groß Oßnig und Neuhausen sackte auf einer Strecke von etwa zehn Metern ab – laut Polizei zwischen einem halben und einem Meter tief. Die Straße bleibt vorerst gesperrt.

Doch wie es dazu kam, was genau dort in die Luft ging, darüber gab es am Mittwoch höchst unterschiedliche Angaben. Die Polizei ließ verlauten, wahrscheinlich sei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hochgegangen. Experten des Kampfmittelräumdienstes würden von einer 50 bis 100 Kilogramm schweren Bombe oder einer größeren Granate ausgehen. Dagegen schlossen Fachleute am Unglücksort Weltkriegsmunition weitgehend aus. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst habe keine Spuren wie Munitionssplitter gefunden, die auf eine Bomben- oder Granatenexplosion hinweisen, sagte ein Sprecher dem rbb-Inforadio.

Eine Gasexplosion galt ebenso als unwahrscheinlich. Zwar verläuft eine Erdgasleitung parallel zur Straße, aber nicht dort, wo jetzt der Krater ist, sondern auf der anderen Seite. Kräfte des Gasversorgers Spreegas gingen nach einer ersten Prüfung nicht von einem Leck an den Leitungen aus, obwohl unweit des Kraters Gas in geringen Mengen festgestellt wurde. Die Rohre sollen noch freigelegt werden, um Schäden auszuschließen.

Verwirrung stiftete der Polizeisprecher. Zu den fehlenden Munitionsspuren sagte er: „Man weiß aber, dass auch Holz oder Glas für Munition verwendet wurde.“ Als Auslöser für die Detonation reiche auch ein Lastwagen auf der stark befahrenen Landstraße. Früher habe es viele Flugplätze rund um Cottbus gegeben, weshalb die Region im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert worden sei. Deshalb dürften weitere Blindgänger im Erdreich liegen. Erst Ende Oktober war am Sportflugplatz Neuhausen ein Zwei-Zentner- Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Alexander Fröhlich

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