Berlin : Pöbeleien am Gartenzaun

Jahrelang belästigte ein psychisch kranker Rentner seine Nachbarschaft in Rudow. Jetzt steht er vor Gericht

Kerstin Gehrke

Das Verhältnis scheint hoffnungslos zerrüttet. Als Horst H. von der Polizei abgeführt wurde, versammelten sich die Nachbarn auf der Straße und applaudierten. Jahrelang soll der Rentner seine Mitmenschen im Mackebenweg in Rudow mit Gemeinheiten traktiert haben. Mit Lärm, hässlichen Pöbeleien und zuletzt auch gefährlichen Angriffen. Acht Fälle sind es, die ihn vor das Berliner Landgericht brachten. Am heutigen Montag (9 Uhr, Saal 806) will der 63-Jährige den Richtern seine Version schildern. Er habe alles aufgeschrieben, kündigte H. beim letzten Termin an.

Im Prozess ist er um Ruhe bemüht. „Mit Richtern habe ich keine Probleme“, sagte der Rentner. „Bin oft genug im Amtsgericht gewesen.“ Hunderte Anzeigen gegen H. änderten nichts an den Streitereien in der Einfamilienhaussiedlung – bis der Rentner im September letzten Jahres einen zwölfjährigen Jungen attackierte. Er hatte ihn verdächtigt, sein Haus mit Eiern beworfen zu haben. Der 120 Kilo schwere Mann riss Steven vom Fahrrad, stürzte sich auf ihn. Er soll den Jungen gewürgt haben, bis er keine Luft mehr bekam. Nachbarn befreiten den Schüler. In den Monaten zuvor soll H. einen Mann mit einem Kantholz geschlagen und eine Nachbarin verprügelt haben. In weiteren Anklagen geht es um Attacken mit seinem Auto. So soll er im August 2000 auf zwei Frauen zugerast sein, die sich vor dem gegenüberliegenden Grundstück aufhielten. Erst 30 Zentimeter vor den Nachbarinnen sei Horst H. zum Stehen gekommen. Sechs Monate später steuerte er auf eine 74-Jährige zu. Die alte Dame habe sich nur durch einen Sprung zur Seite retten können.

Die Pöbeleien am Gartenzaun begannen vor 20 Jahren, als H. aus seinem Grundstück eine Baustelle machte. Immer ausfallender soll der gelernte Maurer geworden sein. Wenn er schrie und schimpfte, stand er meist auf dem Bürgersteig vor seinem Haus. Die Nachbarn kennzeichneten diesen Platz mit weißer Farbe. „Brüllplatz“ schrieben sie. Horst H. befindet sich derzeit in der geschlossenen Psychiatrie. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll er dort bleiben. Der Mann fühlt sich von anderen immer angegriffen, hieß es.

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