Berlin : Pokalendspiel im Olympiastadion bleibt eine Zitterpartie

AXEL BAHR,KLAUS ROCCA

BERLIN / FRANKFURT (MAIN) .Ob das jährliche Pokalendspiel des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auch in der Umbauphase des Olympiastadions in Berlin ausgetragen wird, bleibt unsicher.Sportsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) sicherte gestern dem DFB-Präsidenten Egidius Braun zu, auch während der Sanierung 70 000 Zuschauerplätze anbieten zu können.Während Braun sein Wohlwollen signalisierte, den auslaufenden Endspiel-Vertrag mit Berlin um fünf Jahre zu verlängern, stieß die Stahmer-Zusage in der Bauverwaltung auf Verwunderung.Bislang war von maximal 55 000 Zuschauerplätzen während der mehrjährigen Sanierung die Rede.

Die Planungsexperten der Bauverwaltung konnten sich gestern keinen Reim auf das vollmundige Versprechen der Sportsenatorin gegenüber dem DFB machen.Auch mit Blick auf das jährliche Stadionsportfest Istaf war es gelungen, die Kapazität bei 55 000 Zuschauern zu halten, was allein wegen der Baulogistik großer Anstrengungen bedarf.Die Möglichkeit, für einen Nachmittag im Jahr 70 000 Zuschauern Platz bieten zu können, will die Bauverwaltung nicht ausschließen.Daß damit das 600-Millionen-Projekt wesentlich teurer werden könnte, wurde aber gleichfalls nicht bestritten.Das für die Sanierung und Modernisierung zuständige Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Stahmer war beim DFB in der Mainmetropole vorstellig geworden, um für die Verlängerung des in diesem Jahr auslaufenden Fünf-Jahres-Vertrages zu werben.Das Pokalendspiel des DFB findet seit 1985 ununterbrochen in Berlin statt.DFB-Präsident Braun sagte nach dem zweistündigen Gespräch: "Ich hege große Sympathie für den Wunsch Berlins, die Endspiele weiter im Olympiastadion auszutragen.Wir werden nun im Vorstand und auch mit dem Ligaausschuß beraten." Wenn sich der DFB erneut für Berlin entscheidet, wollen beide Seiten den Vertrag bis zum Jahr 2004 noch vor dem diesjährigen Pokalendspiel am 12.Juni unter Dach und Fach bringen.Senatssprecher Michael-Andreas Butz kündigte gestern ein weiteres Treffen des Regierenden Bürgermeisters mit der DFB-Spitze an.Berlin habe sich dank der "einmaligen Atmosphäre" als Attraktion erwiesen und sei für den deutschen Fußball "gut und wichtig".Auch werde die notwendige Zuschauer-Kapazität bereitgestellt werden.

Ob es allerdings überhaupt zu einer umfassenden Modernisierung des historischen Ovals kommt, hängt von dem laufenden Investorenverfahren ab.Bis zum heutigen Stichtag liegen der Verwaltung rund 60 Interessensbekundungen vor.Aus diesem Kreis werden innerhalb einer Woche die interessantesten Firmen oder Konsortien ausgewählt, die bis zum 31.Mai ihre konkreten Angebote einreichen müssen.Für die Endauswahl liegt derzeit keine weitere Zeitplanung vor.Der private Investor soll mindestens ein Drittel des Finanzbedarfs für den Umbau zu einer multifunktionalen Arena tragen und auch die Möglichkeit erhalten, das 1936 erbaute Stadion wie auch Teile des 131 Hektar großen Olympia-Areals zu vermarkten.Der Bund hat zugesagt, sich mit 100 Millionen Mark zu beteiligen, falls Deutschland den Zuschlag für die Fußball-WM 2006 erhält.DFB-Präsident Braun sagte gestern, Berlin werde bei der WM-Bewerbung "eine zentrale Rolle einnehmen".

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