Berlin : Poker mit dem Glamour

Das Hin und Her um die Zukunft der Preisgalas in Berlin: Was aus Goldener Kamera, Bambi und Echo wird

Matthias Oloew,Björn Seeling

Von Matthias Oloew

und Björn Seeling

Berlin will auf dem Teppich bleiben – auf dem roten. Denn im Glanz der Galas der zurückliegenden Wochen erstrahlte auch das Ansehen der Stadt. Plötzlich war nicht mehr von der bettelarmen Metropole die Rede, sondern von der europäischen Hauptstadt des Glamours. Doch strengen sich die Verantwortlichen genug an, dass dies auch so bleibt? Der Tagesspiegel hat nachgefragt, ob Bambi, Echo, Goldene Kamera eine Zukunft in Berlin haben.

„Wir bleiben mit der Goldenen Kamera definitiv in Berlin“, sagt Jochen Beckmann, Verlagsleiter für Publikumszeitschriften beim Axel-Springer-Verlag. Dort erscheint die „Hörzu“, die den begehrten Preis verleiht. In diesem Jahr ging er unter anderem an Salma Hayek, Hugh Grant und Elton John. Mit dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt hat die Gala eine wunderbare Kulisse und mit der Berlinale einen exzellentes Rahmenprogramm gefunden. „Berlin ist toll, und die Gäste sind toll – wir sind glücklich dort“, sagt der Verlagsleiter und verweist auf Verträge bis 2004. Irgendwelche Forderungen an die Stadt? „Da fällt mir keine ein.“

Das ist bei den Veranstaltern der „Bambi“-Verleihung anders. „Momentan haben wir nicht den Eindruck, dass uns die Stadt entsprechend unterstützt“, sagte Philipp Welte vom Burda-Verlag nach der „Bambi“-Gala im November. Zu der war unter anderem Michael Jackson erschienen. Allerdings ließ der Burda-Manager offen, was genau er damit meint. Immerhin war Berlin alarmiert, so dass dem goldenen Reh nun der rote Teppich ausgebreitet wird. Entschieden ist aber noch nichts, hieß es gestern auf Anfrage.

Die Gedankenspiele gehen so weit, dass als Veranstaltungsorte das Schloss Charlottenburg und sogar das Potsdamer Sanssouci im Gespräch sind. Der Medienbeauftragte Berlin-Brandenburgs, Bernd Schiphorst, sagte dazu: „Wir schnüren ein Gesamtpaket.“ In dem Carepaket für „Bambi“ könnte die Preisverleihung in den Babelsberger Filmstudios sein. Dies gefiele auch Jürgen Schau, dem Deutschland-Chef der Filmfirma Columbia-TriStar, die im Sony Center sitzt. „Ich fände Potsdam sehr reizvoll.“ Zusammen mit Vertretern aus Unterhaltungsindustrie, Hotellerie und Kultur macht er sich dafür stark, dass „Bambi“ eine Heimat findet. „Der Preis gehört in die deutsche Hauptstadt.“

Wie der „Bambi“ ist auch der Musikpreis „Echo“ in seiner zwölfjährigen Geschichte nie immer in der selben Stadt vergeben worden. „Echos“ gab es schon in Köln, München und Berlin, aber auch in Hamburg, wo die Deutsche Phonoakademie zwischen 1996 und 2001 zu Gast war. „Dort ist der Echo richtig groß geworden“, sagt Akademie-Chef Gerd Gebhard. Jetzt ist er nach dem Grammy der wichtigste Musikpreis. Stars wie Robbie Williams sind beim Echo dabei und sagen die Verleihung der Brit-Awards in England ab. Das macht Gebhard stolz. In Berlin sind er und die Phonoakademie aber sehr glücklich: „Es gibt keinen Grund, über einen Wechsel nachzudenken. Es sei denn, man bekommt ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann.“ Was das sein könnte, sagt Gebhard auch: „In Hamburg bekommen wir die Veranstaltungshalle für eine Woche kostenlos.“ In vier Wochen will die Phonoakademie nun entscheiden, wo der Echo 2004 vergeben wird.

Berlin hat die Nase vorn: Der Star-Rummel hat den Veranstalter beeindruckt. Und wichtige Plattenfirmen, wie Universal und Sony-Music sind auch in der Stadt. Und schließlich bald auch die Phonoakademie selbst. Der Verband der Plattenindustrie zieht im Frühjahr an die Spree.

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