Berlin : Pokerraub: Drahtzieher verurteilt Mehr als sechs Jahre Haft für Ibrahim El-M.

Der Drahtzieher sprach vom größten Fehler seines Lebens und von Reue. Das Urteil hörte er mit gesenktem Kopf: Nach 16-monatigem Prozess wurde Ibrahim El-M. als einer der beiden Hintermänner des spektakulären Überfalls auf das internationale Pokerturnier 2010 im Luxushotel Grand Hyatt verurteilt. Das Landgericht sprach ihn am Dienstag des schweren Raubes schuldig. Für sechs Jahre und vier Monate soll der 30-Jährige ins Gefängnis. Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Ibrahim El-M. hatte nach einjähriger Prozessdauer im August überraschend sein Schweigen gebrochen und ein Geständnis abgelegt. Er war es, der die vier jungen Räuber angeheuert hatte, die am 6. März 2010 in das Turnier am Potsdamer Platz gestürmt waren. Er steuerte das Fluchtfahrzeug, er verteilte in einer Garage die Beute. Sie hatten mit einem Millionen-Coup gerechnet, am Ende waren sie mit 242 000 Euro geflohen. Der Großteil ist bis heute verschwunden. Einer der Jungräuber gab 4000 Euro heraus, El-M. zahlte kürzlich 22 000 Euro zurück.

Es war ein Strafprozess, der unter strenger Bewachung begann. Sechs Polizisten mit Waffen und kugelsicheren Westen waren im Saal sowie 14 Justizangestellte. Die Angeklagten saßen hinter Panzerglas. Es sei damit zu rechnen, dass es aus „dem Kreis der Zuhörer“ zu Befreiungsversuchen kommen könnte, hieß es.

Diese Angst bestand nicht lange. Etwa 50 Zeugen wurden befragt. Zunehmend aber ging es um den Gesundheitszustand von Ibrahim El-M., der über psychische Probleme aufgrund verschärfter Haftbedingungen klagte. Seine Verteidiger waren in den Plädoyers darauf eingegangen, wollten eine Verschonung von der U-Haft bis zum Strafantritt erreichen. Das Gericht lehnte mit Hinweis auf Fluchtgefahr ab. Gegen den zweiten mutmaßlichen Drahtzieher wird seit einigen Wochen gesondert verhandelt. Mohamed Abou-C. soll den Tipp für den Überfall gegeben haben. Der 32-Jährige hat das bestritten. In der Begründung des Urteils gegen El-M. verlor der Vorsitzende Richter kein Wort über den zweiten Angeklagten. K.G.

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