Pokerraub-Prozess : Zahltag im Gerichtssaal

Überraschend hat einer der beiden mutmaßlichen Drahtzieher im Prozess um den Überfall auf das Pokerturnier im Hyatt-Hotel gestanden – und gibt 22 000 Euro zurück.

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Kaum jemand hatte im Pokerraub-Prozess noch damit gerechnet, dass die Beute auftaucht. Nun gab es neben einem Geständnis auch noch einen Teil der geklauten 242000 Euro zurück.
Kaum jemand hatte im Pokerraub-Prozess noch damit gerechnet, dass die Beute auftaucht. Nun gab es neben einem Geständnis auch noch...Foto: dpa

Das Spiel ist aus. Jedenfalls für Ibrahim El-M., genannt „Ibo“. Überraschend legte er nach einjährigem Prozess um den Pokerraub im Hyatt-Hotel ein Geständnis ab. Er, angeklagt als einer der beiden Drahtzieher, schien reinen Tisch machen zu wollen. „Von meinem Anteil an der Beute habe ich noch 22 000 Euro, die ich unverzüglich zurückzahlen werde“, kündigte er an. Die Beute. Kaum jemand glaubte noch, dass von den rund 242 000 Euro wieder etwas auftaucht.

„Die Anklage ist im Wesentlichen richtig“, ließ der 30-Jährige einen seiner Anwälte die vier Seiten Geständnis verlesen und belastete den mitangeklagten Mohamed Abou-C. schwer. Der Mann, der „Momo“ genannt wird, habe ihm von dem Turnier erzählt und „von dem vielen Geld, das dort in einem Raum offen rumliegen würde“. Der 32-jährige Abou-C. dagegen hatte erst Mitte August sein Schweigen gebrochen, die Vorwürfe bestritten und El-M. als Hintermann bezichtigt. Nun der Gegenschlag von „Ibo“, der wie er seit 17 Monaten in Untersuchungshaft ist.

„Ich habe darauf hingewiesen, dass ich auch für Momo Geld benötige, weil er der eigentliche Tippgeber war“, gab El-M. in seiner Beschreibung der Beuteteilung an. Er selbst will „knapp unter 40 000 Euro“ erhalten haben. Kurz danach will er sich in einem Lokal mit Abou-C. getroffen haben. „Hier übergab ich ihm einen Anteil von etwa 13 000 Euro, er wollte zwar mehr, aber ich habe ihm gesagt, dass die Jungs damit einverstanden waren.“ Die „Jungs“ sind die vier Jung-Räuber, die am 6. März 2010 in die Pokerrunde gestürmt waren.

Ibrahim El-M. gab zu, dass er die Truppe organisiert hatte. Nach seiner Version war es aber Abou-C., der die Sache ins Rollen brachte: „Er fragte mich, ob ich Leute kenne, die dazu in der Lage sind.“ Zunächst hätten sie geplant, den Sicherheitsleuten die Tasche zu entreißen, wenn diese das Geld vom Hotel in die nahe gelegene Spielbank tragen würden.

Die Anklage geht davon aus, dass Mohamed Abou-C. die Idee zu dem Coup hatte und per Handy aus dem Hotel das Signal zum Losschlagen gab. Ibrahim El-M. soll die Hitzköpfe angeheuert und das Fluchtauto gefahren haben. Abou-C. aber hat kürzlich erklärt: „Ich sitze unschuldig in Haft.“ Weil er „kein Anscheißer“ sei, habe er geschwiegen. Er hatte am Turnier teilgenommen und war früh ausgeschieden. Verärgert will er in einer Kneipe mit einem Kumpel darüber geredet haben, dass man sich das Geld leicht holen könnte. Mehr sei nicht gewesen. „Ibo“ aber habe mitgehört und Leute angeheuert, „um die Sache durchzuziehen“.

Das Geständnis und obendrauf die 22 000 Euro. Das würde die Strafe mildern. Es gab vor der Erklärung bereits Gespräche zwischen den Juristen. Die untere Grenze liege demnach bei sechs Jahren und vier Monaten Haft für El-M., hieß es. Doch es wird noch viel Streit geben. Fragen wollte El-M. zum Ärger der Anwälte von Abou-C. nicht beantworten. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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