Berlin : Polieren fürs Image

Fenster wienern, Teppich shampoonieren, Toiletten reinigen: Gebäudereiniger ermittelten im Sony-Center ihren Deutschlandmeister

Thomas Loy

Bastian Lenski befindet sich gerade im dritten Prüfungsabschnitt: Sanitärreinigung. Ekelhaft sei Kloputzen gar nicht, sagt der Gebäudereiniger-Geselle aus Büchen bei Hamburg. Es stellten sich die schönsten Erfolgserlebnisse ein. Wenn eine verkeimte Kachelwand nach eingehender Behandlung mit ätzender Chemie strahlt, ist das schon toll, findet auch Sebastian Klein aus Gifhorn bei Braunschweig. Die jungen Männer tragen Gummistiefel, -handschuhe und Schutzbrillen. Dazu gibt es einen Taschenspiegel zur Beckenunterrandkontrolle und Lackmuspapier für die pH-Wertkontrolle im Putzwasser. Das Handwerk des Gebäudereinigers hat viel mit dem des Chemielaboranten gemein.

Lenski und Klein sind zwei von elf Kandidaten im „Bundesleistungswettbewerb“ des Gebäudereiniger-Handwerks. Austragungsort ist das Sony-Center in Berlin – und Lenski wird am Ende Dritter sein. Gewertet werden drei Disziplinen: Glasfassade wienern, Teppichboden im Cinestar-Kino shampoonieren und die Kino-Toiletten reinigen. Der Wettbewerb ist wichtig, die Branche der Gebäudereinigung expandiert. 720000 Beschäftigte sind bundesweit gemeldet. Es fehlen aber Lehrlinge. Besonders Mädchen sind unterrepräsentiert. Aber sie haben Talent: Stefanie Fremgen, die einzige Wettbewerberin, erreichte gestern den zweiten Platz. Gewonnen hat aber ein Mann, Matthias Natusch, er ist aus Brandenburg und bekommt 2500 Euro Preisgeld.

Lenski und Klein machen sich keine Illusionen über ihr Image. „Wir befinden uns am Ende der Nahrungskette im Handwerk.“ Wenn jemand keine Lehrstelle bekommt wegen schlechter Noten oder Ärger mit der Polizei, wird er zu den Gebäudereinigern geschickt. Klein hat keine Lust mehr auf Sprüche wie: „Ihr macht ja nur sauber...“  Die Ausbildung zum „Saubermachen“ dauert immerhin drei Jahre. Eigentlich wollte Klein Bäcker lernen, aber wegen einer Mehlstauballergie musste er umsatteln. Um das Image sorgte sich auch der der Bundesinnungsverband der Gebäudereiniger und hat eine Werbekampagne aufgelegt. Der Slogan: „Wischen ist Macht.

Einige der Kandidaten haben das professionelle Putzen von Haus aus gelernt – nicht von Mami, sondern in der elterlichen Reinigungsfirma. Ihre Motivation ist gut, weil sie mit der Aussicht schuften, später mal die Firma zu übernehmen. Nickolas Freischlad aus dem hessischen Driedorf teilt sich mit seinem Vater und Chef auch das Putzen zu Hause. Der Chef macht lieber die Fenster, also kümmert sich Freischlad um den Boden. Im Sony-Center ist das Prüfabschnitt zwei. Die Auslegeware wird in vier Arbeitsgängen rein gerubbelt. Zuerst banales Staubsaugen, dann Shampoonieren mit der „Einscheibenmaschine“, danach wird mit einem Schlauch Spülwasser eingespritzt und gleich abgesaugt. Das nennt sich „Sprühextraktion“. Mit einem „Garnpad“ wird trocken gerieben.

Die vornehmste Aufgabe des Gebäudereinigers ist das Fensterputzen, wobei das Wort „Putzen“ branchenintern verpönt ist. Der Berliner Kandidat Christian Pfaff ist mit seiner Körperlänge von 2,04 Metern hier klar im Vorteil. „Man kommt an alle Ecken gut ran.“ Ein Tipp für alle Privatputzer: Nur Schafsleder verwenden und vor dem ersten Gebrauch einmal durch die Waschmaschine jagen. Das Putzmittel sollte Alkohol enthalten, damit beim „Abziehen“ mit dem Gummiblatt keine Streifen zurückbleiben. Wichtig ist auch, eine elegante Linie in Form einer liegenden Acht einzuhalten. Pfaff: „Dafür muss man ein Gefühl kriegen.“

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