Berlin : Polit-Mathematik der CDU

Viele sehen Monika Grütters auf Platz eins

-

Listenaufstellungen sind für die CDU ein komplizierter politmathematischer Vorgang. Der Grund dafür, dass die Berliner Union jetzt erst mit der Wahl der Direktkandidaten beginnt, liegt im einflussreichen Mittelbau der Partei. Die Kreisverbandschefs müssen sich absprechen. Tun sie das nicht, gibt es Streit. Die Listenaufstellung ist um so komplizierter, je größer die Chancen auf viele Direktmandate sind. Diese Chancen sind bei dieser Wahl außergewöhnlich groß.

Direktkandidaten wie Frank Steffel in Reinickendorf und Eberhard Diepgen in Neukölln habe nach dem aktuellen Stand der Stimmungsbarometer beste Chancen, ihr Mandat zu holen. Da stellt sich um so dringender die Frage, wer auf der Landesliste abgesichert werden soll. Viele sprechen von Monika Grütters, die in Marzahn-Hellersdorf antritt und es in dem PDS-dominierten Wahlkreis schwer haben wird. Ein Frau auf Listenplatz eins, noch dazu eine, die als Kultur- und Wissenschaftspolitikerin angesehen ist wie Grütters – das wäre was, wenn die Union schon eine Kanzlerin wählen will.

Doch schon von Listenplatz zwei ist nur sicher, dass es ihn geben wird. Ein Platz für Christoph Stölzl – obwohl oder weil er kesserweise in Pankow gegen Günter Nooke antreten wird? Oder für Nooke, dem bewährten Abgeordneten, der wohl gegen Wolfgang Thierse von der SPD verlieren wird? Oder Platz zwei für Roland Gewalt, noch ein bewährter Abgeordneter, der auf Betreiben seines Kreischefs Frank Steffel nicht mehr in Reinickendorf, sondern in Lichtenberg wahlkämpfen soll – gegen die erfolgreiche PDS-Frau Gesine Lötzsch? Oder gerade kein Platz für Gewalt, um Steffel zu bestrafen, der als einziger Kreischef zwei Bundestagsmandate anvisiert? Wenn am Ende dieser Woche alle Wahlkreiskandidaten nominiert sind, sieht man auf Kreischef-Ebene weiter. Am 9. Juli soll die Liste gewählt werden. wvb.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben