Berlin : Politik fürs Volk

Abgeordnetenhaus und Bundesrat laden zum Tag der offenen Tür

Marc Neller

Man wird heute leichter Elefant als noch zu Helmut Kohls früher Kanzlerzeit. Dereinst musste man Parteivorsitzender sein, um an einem Wahlabend zu einer „Elefantenrunde“ ins Fernsehstudio geladen zu werden. Heute setzt man sich in den Plenarsaal des Abgeordnetenhauses, in dem Fraktionsvorsitzende mit politikinteressierten Bürgern über aktuelle politische Themen sprechen. Und schon gehört man zu einer „Elefantenrunde“. Am Sonnabend ist dazu Gelegenheit, wenn der Bundesrat und das Berliner Abgeordnetenhaus wieder gemeinsam zum Tag der offenen Tür laden.

Die „Elefantenrunde“ im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses (12 bis 13 Uhr) ist ein beim Publikum beliebter Bestandteil dieses Tages. Den Elefanten-Dompteur will Walter Momper geben, der Parlamentspräsident; er moderiert die Runde. Offiziell beginnt das Programm in beiden Häusern um 11 Uhr, anschließend erfahren Besucher bei Führungen, Filmvorführungen und Ausstellungen, wie der Bundesrat arbeitet – und wofür sein wichtigstes Gremium, der Vermittlungsausschuss, da ist. Und während Bundesratspräsident Matthias Platzeck im Plenarsaal des Bundesrats mit Bürgern (13.30 Uhr) oder mit Walter Momper (14 Uhr, Saal 1.088) diskutiert, steht sein Büro, das Präsidentenzimmer (Raum 2.060), zur Besichtigung offen.

Thema des Tages ist die Türkei. Im Casino des Abgeordnetenhauses stellt sich der Kandidat für eine Mitgliedschaft in der EU vor. Auch türkische Vereine und Unternehmen sind vertreten.

Im Festsaal des Bundesrats können Jugendliche beim neuen PC-Spiel „Föderalion“ ihre Politikfähigkeit testen: Als Assistent eines Archäologieprofessors im Jahr 6432 entdecken sie die Demokratie des 21. Jahrhunderts. Auf sechs Schwierigkeitsstufen sind Wissen und Geschicklichkeit gefragt. Ein Lexikon hilft, Fragen zu beantworten. Das Spiel, entwickelt vom Bundesrat und einer Agentur, ist für den Grimme Online Award nominiert. Auf einer Showbühne spielt das Jugendjazzorchester Brandenburg, die drei Musketiere vom Theater des Westens treten auf, außerdem gibt es einen Biergarten und eine Liegewiese – volksnäher kann Politik kaum sein. Mal sehen, welche Zugkraft die Elefanten in diesem Jahr mit der vorgezogenen Bundestagswahl besitzen: Im vergangenen Jahr kamen rund 8000 Menschen.

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