Berlin : Politik mit Löchern

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber stolpert über

Berliner Gehwege in die Zukunft

Der seit 1989 versprochenen Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West sind wir in diesem Jahr erheblich näher gekommen. Früher feixten Berliner Autofahrer, wenn sie am Ortseingang einer brandenburgischen Gemeinde lasen: „Vorsicht, Straßenschäden in der gesamten Ortslage“. Jetzt lesen Berliner Fußgänger immer öfter Schilder, die sie auf „Gehwegschäden“ hinweisen, zwar nicht in der gesamten Ortslage Berlin, aber abschnittsweise auf vielen hundert Straßen. Das Ganze hat, wie vieles in Deutschland, versicherungstechnische Gründe: Wer gewarnt ist, der kann nicht klagen. Die zuständigen Behörden können sich mit der Reparatur eines Schlagloches etwas mehr Zeit lassen, um irgendwoher das Geld zusammenzukratzen, das sie nicht haben.

Während die Gehwegschäden immer schlimmer und die Schlaglöcher so tief werden, dass die Anschaffung jener schönen, in Bagdad erprobten amerikanischen Geländewagen vom Typ Hummer immer sinnvoller erscheint, tun sich dem klammen Berliner Senat neue Möglichkeiten der Haftungs-, Gewährleistungs- und Verantwortungsminimierung auf. Man könnte einen Wald von Warnschildern um die Berliner Finanzämter pflanzen, ergänzt von ein paar unverbindlich drohenden „Vorsicht, Lebensgefahr!“-Schildern aus dem Baumarkt. Das hätte sicher auf den ein oder anderen rückerstattungsscharfen Steuerzahler mäßigende Wirkung. Das gesparte Geld könnte der Senat dann für noch mehr Warnschilder ausgeben.

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