Politiker-Forderungen : Berliner Zoo und Tierpark sollen mehr aus sich machen

Sieben Millionen Euro fließen jährlich an Zuschüssen an den Zoo und den Tierpark. Nun will die Politik durchsetzen, dass das Geld sinnvoller ausgegeben wird.

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Ein Vierteljahr nach seiner Geburt hat der kleine Lippenbär aus dem Zoo nun einen Namen: Balou.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Silas Stein//dpa
03.04.2017 14:33Ein Vierteljahr nach seiner Geburt hat der kleine Lippenbär aus dem Zoo nun einen Namen: Balou.

Der Zoo Berlin ist für seinen Publikumsliebling Eisbär Knut bekannt, und er kann als artenreichste Einrichtung der Welt punkten. „Doch das allein reicht nicht aus. Zoo und Tierpark sind von ihren Konzepten her überholt und altbacken, da muss sich dringend etwas ändern“, meint Grünen-Zoofachfrau Claudia Hämmerling. Schließlich zahle das Land Berlin Zuschüsse, und aus diesem Kapital müssten die Einrichtungen mehr machen. Laut Finanzverwaltung erhält der Zoo in diesem Jahr 1,4 Millionen Euro, beim Tierpark sind es 5,8 Millionen – das Geld geht an die Zoologischer Garten Berlin AG. „Der Senat soll seine Zuwendungen an die AG künftig an Bedingungen knüpfen und diese detailliert im neuen Zuwendungsvertrag 2011 niederlegen“, fordert die Grünen-Abgeordnete Hämmerling. Die Einrichtungen müssten attraktiver, zeitgemäßer, artgerechter und unabhängiger von Zuschüssen der Steuerzahler werden. 2011 soll die Zoo AG noch 1,3 Millionen für den Zoo und 5,7 Millionen Euro für den Tierpark bekommen. Die beiden Vertreter des Landes im 18-köpfigen Zoo-Aufsichtsrat wie die Finanzstaatssekretärin müssten ihrer Kontrollfunktion besser nachkommen, fordert auch Mirco Dragowski, tierpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Er hat für die Anhörung des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus im August einen Antrag zu Tier- und Artenschutz eingebracht. Erwartet werden auch Zoo-Vorstand Bernhard Blaszkiewitz sowie Jörg Luy, Leiter des FU-Instituts für Tierschutz und Tierverhalten.

Der Tierschutzexperte der SPD, Daniel Buchholz, stimmt den Oppositionskollegen grundsätzlich zu. „Bei der Präsentation der Tiere kann etwas verbessert werden. Natürlichere Gehege wären gut, in Friedrichsfelde könnte man Tieren mehr Auslauf ermöglichen.“ Er hält aber nichts davon, dass sich einzelne Politiker einmischen, sondern regt dann einen Zoo-Beirat an, analog zu jenem bei der BVG.

In der Anhörung im Parlament will FDP-Mann Dragowski nun erfahren, „wie sich das Gebaren des Hauses seit Frühjahr 2008 verändert hat, seit der vergangenen Zoo-Anhörung“. Damals war der Zoo-Vorstand etwa wegen der lange zurückliegenden Tötung von Katzenbabys in die Kritik geraten. Es müsse im ureigenen Interesse gerade des Tierparks liegen, „aus dem Schatten des Zoos zu treten und zu einem Glanzlicht der Stadt zu werden, zu dem die Besucher nur so strömen“, appelliert Hämmerling. Sie will auch vom Vorstand wissen, wo die von Zoos wegen des Überangebots nicht gerade gefragten, nunmehr ausgewachsenen, in Berlin gezüchteten Jungtiere hinkommen.

Bislang kostet den Berliner Steuerzahler vor allem der Tierpark Geld. 949 470 Besucher schlenderten 2009 über die langen Wege des größten Landschaftstierparks Europas, das waren etwas weniger als 2008. Nur rund 15 Prozent davon sind laut kaufmännischem Zoo-Vorstand Gabriele Thöne Touristen. Anders im Zoo, der meistbesuchten Freizeiteinrichtung Berlins: Dort sind 65 Prozent der Gäste Berlin-Besucher. „Um so ärgerlicher, dass es immer noch kaum internationale Beschilderung gibt“, kritisiert FDP-Mann Dragowski. Für 2009 führt die Zoo-Statistik 3,1 Millionen Besucher auf – ein Prozent Plus im Vorjahresvergleich.

Die Grünen-Abgeordnete Hämmerling hat noch die Forderungen des früheren SPD-Finanzsenators Thilo Sarrazin im Ohr, den Tierpark Friedrichsfelde wegen seines Verlustgeschäftes zu schließen. „Für den Tierpark sollte ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden“, schlägt auch Mirco Dragowski vor. Landespolitiker wie auch Berlin Tourismus Marketing verweisen als Anregung auf den „Erlebniszoo Hannover“. Dort spritzen Elefanten vor Tempelkulisse Fontänen und sind Gräben so geschickt getarnt, dass man meint, Löwen und Giraffen lebten zusammen. Anhänger eines Zoos als moderner Bildungsstätte betonen, dass sich in Hannover trotz verdreifachter Eintrittspreise die Zahl der Besucher aus allen sozialen Schichten in zehn Jahren verdoppelt habe.

Der Zoo Leipzig ist ein Themenpark, der Gelsenkirchener Zoo die „Zoom Erlebniswelt“. Hamburgs Zoo kommt ohne Landeszuschüsse aus. In Vancouver feiert das Aquarium mit Schutzprojekten, Fischzuchtprogrammen für Besucher, Kindercamps und Lehrerseminaren als größte dieser Einrichtungen in Kanada Erfolge.

In Berlin wird bereits das Schloss Friedrichsfelde als Attraktion eingebunden, es gibt Artenschutztage und die Zooschule, die „Gay Night at the Zoo“ wurde wiederbelebt, eine Zoo-Uni für Kinder begründet, der Zoo präsentierte sich erstmals bei der Grünen Woche. Viel weiter will Zoo-Vorstand Blaszkiewitz aber nicht gehen, er ist kein Freund solcher Spaß-Parks. Auch SPD-Politiker Buchholz findet, „der Tierpark darf nicht zum Disneyland werden.“ Die Zooleitung verwies zuletzt stets darauf, dass man ein klassisches tiergärtnerisches Konzept verfolge. Und bei Zootests erhielten Zoo und Tierpark von Experten schon jetzt gute Noten. Die Zoo Berlin AG machte 2009 rund 2,2 Millionen Euro Gewinn. „Das Ergebnis sähe aber anders aus, wenn man die 4,4 Millionen Euro Spenden und Nachlässe herausrechnet“, sagt FDP-Mann Dragowski.

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