Berlin : Politikstunde mit Herrn Powell US-Außenminister besuchte

Gymnasium in Mitte

Ulrike Scheffer

Die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums in Mitte mussten am Donnerstag lange auf ihre Pause warten. Trotz Sonnenscheins durften sie nicht einmal die Fenster öffnen. Der Grund: US-Außenminister Colin Powell war in der Schule zu Gast – und solange er da war, herrschte in dem grauen Putzbau Ausnahmezustand. „Ich hoffe, ihr genießt die Show mit den Sicherheitsbeamten und der Polizei“, sagte Powell, als er um Punkt acht Uhr die Turnhalle des Gymnasiums betrat. Dort saßen rund 70 Jugendliche aus der Oberstufe, um mit ihm zu diskutieren. Und das taten sie dann auch: Gleich mit der zweiten Frage brachten sie Powell in Verlegenheit. „Werden Sie Außenminister bleiben, wenn Ihre Partei im November die Wahl gewinnen sollte?“, fragte eine Schülerin in perfektem Englisch. „Bei uns heißt es, man dient, solange es dem Präsidenten gefällt“, wand sich Powell und fügte selbstironisch hinzu: „Das nennt man wohl eine ausweichende Antwort.“

Powell war zur Afghanistan-Konferenz in die Hauptstadt gekommen. Er hatte sich jedoch gewünscht, auch junge Berliner zu treffen. „Wir dachten zunächst, die Anfrage der Botschaft sei ein Scherz“, sagte der stellvertretende Schuldirektor Stefan Fender, „schließlich sollte der Besuch am 1. April stattfinden.“ Doch spätestens als Sicherheitsbeamte die Schule inspizierten, wurde es ernst. Am Donnerstag fuhren dann ab sechs Uhr Polizeiwagen in der Singerstraße auf und riegelten die Schule ab. Vor der Turnhalle wurde eine Sicherheitsschleuse installiert – und alle Schüler, die Unterricht hatten, mussten bis zur Abfahrt Powells in ihren Klassen bleiben. Die Pause wurde verschoben.

Ihre Mitschüler in der Halle ließen kein Thema aus, das in den vergangenen Jahren die Beziehungen zwischen Europa und den USA belastet hat: Sie sprachen den Klimaschutz an, den Internationalen Strafgerichtshof und auch den Irakstreit. Viele der Schüler waren vor einem Jahr gegen den Krieg auf die Straße gegangen. Der 18-jährige Philip Wengel fragte, welche Rolle das irakische Öl bei der Entscheidung für den Krieg gespielt habe. „Das Öl gehört den Irakern. Wir wollen es nicht stehlen“, sagte Powell. Der Schüler gab sich damit nicht zufrieden: „Versprechen Sie das?“ Der Minister gab ihm sein Wort und ging zum Abschied noch einmal auf den jungen Mann zu, um ihm die Hand zu geben.

Powell blieb knapp eine halbe Stunde länger als vorgesehen auf dem für ihn aufgestellten Holzhocker sitzen. Entspannt erzählte er auch Privates, etwa, dass er am Wochenende am liebsten an seinen Autos herumschraubt. Die Weltpolitik musste warten: Im Interconti saßen bereits die Delegierten der Afghanistan-Konferenz zusammen, um seine Rede zu hören.

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