Politische Werbung : Berliner AfD wirbt mit Comics

Die AfD will das muffige Image der Altmänner-Partei loswerden. Helfen soll dabei Emilia, die Vogeldame. Die Rechtspopulisten haben Comics als ihr Medium entdeckt.

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Schräge Vögel. Emilia (links) ist die Neunmalkluge von der AfD. Ihr Freund Erik, Umweltfreak, blickt dagegen kaum durch.
Schräge Vögel. Emilia (links) ist die Neunmalkluge von der AfD. Ihr Freund Erik, Umweltfreak, blickt dagegen kaum durch.Foto: promo

Die Berliner AfD hat die Comicwelt um ein hübsches Cover-Girl mit großem Schnabel bereichert – Rufname Emilia. Die Vogeldame schmückt ihr Haupt in den Farben der AfD und hat auch ein paar schräge Freunde bei den Grünen, die ahnungslos durch Berlin tapsen. Folge 1 der Serie: „Erik auf Umweltzone“.

Den Comicstrip „Emilia & friends“ gibt es als Printprodukt, als animiertes Video auf Facebook und auf YouTube. Schon am Freitag, dem ersten Erscheinungstag, gab es bei Facebook mehr als 65.000 Aufrufe – kein schlechter Start. Comics als Medium politischer Werbung sind bei den Berliner Parteien bislang ziemlich kurz gekommen. Das Ziel der AfD ist offenkundig, bei jüngeren Wählern zu punkten und das muffige Image der Altmänner-Partei abzustreifen.

Gezeichnet hat die erste Folge – weitere sollen folgen – die israelische Illustratorin Livnat. „Sie kam auf uns zu und fragte, ob sie was machen kann“, sagte AfD-Fraktionssprecher Thorsten Elsholtz. Das Thema des ersten Comics ergab sich aus dem Antrag, den die Partei am Donnerstag ins Abgeordnetenhaus einbrachte: „Berliner Umweltzone abschaffen“. Man habe zusammen mit der Künstlerin über das Thema diskutiert und „Kernbotschaften“ definiert, sagt Elsholtz. Anschließend legte Livnat los.

Herausgekommen ist eine Mischung aus bemühtem Aufklärungscomic für Lesefaule und einem durchaus witzigen Plot, der den Selbstbezug grüner Genuss-Spontis aufs Korn nimmt. Ein gewisser Erik ist Emilias Sparringspartner – er muss sich als Grünschnabel erklären lassen, woher die eigentliche Feinstaubbelastung kommt. Erik ist natürlich unbelehrbar und fährt mit seinen Kumpels lieber zum Grillen als sich seine geliebte Umweltzone schlechtreden zu lassen.

AfD in Treptow-Köpenick hat Plan gegen Feinstaub

Im AfD-Comic gibt es keinen Plan B zur Bekämpfung der Feinstaubbelastung, die Deutschland demnächst ein Klageverfahren der EU einbringen könnte. Die AfD in Treptow-Köpenick ist da schon weiter. In der kommenden Woche will der Abgeordnete Karl Rößler einen Antrag zu „City Trees“ in die Bezirksverordnetenversammlung einbringen. Der Anglizismus steht für bemooste Wände, die einen Teil des Feinstaubs aus der Luft filtern sollen. Das Berliner Start-up „Greencity Solutions“ mit Sitz am Schöneberger Euref-Campus hat bereits ein paar Filterwände aufgestellt, unter anderem am Bahnhof Südkreuz. Angeblich sollen sie die „Umweltleistung von bis zu 275 Stadtbäumen“ erbringen.

Rößler fordert sein Bezirksamt auf, zusammen mit der Senatsumweltverwaltung geeignete Standorte für Mooswände an viel befahrenen Straßen zu erkunden. Finanziert werden sollen die Wände über die Ausgleichsabgabe für den Naturschutz, etwa bei Bauvorhaben auf vormaligen Brachflächen. Diese Idee dürfte sich allerdings kaum realisieren lassen, da Mooswände in erster Linie den Menschen zugute kommen.

Wahrscheinlich wird sich der Antrag ohnehin in den BVV-Ausschüssen verflüchtigen, denn die AfD hat auch in Treptow-Köpenick kaum Freunde in den anderen Parteien, schon gar nicht bei den Grünen – ganz anders als Emilia.

Grüner Umweltexperte spricht von "Desinformation"

Der grüne Feinstaubexperte Georg Kössler hat sich den Comic angeschaut und spricht von einer „Desinformation“, mit der die AfD „gegen EU und Umweltzone hetzt. Offensichtlich sind der AfD all die Familien mit Kindern oder ältere Menschen egal, die unter den Folgen von Umweltgiften wie Feinstaub oder Stickoxiden leiden müssen, weil sie an großen Straßen in der Berliner Innenstadt wohnen.“

Damit gibt auch Kössler zu, dass es keine gute Idee von Sponti Erik ist, zwecks sauberer Atemluft in die Umweltzone zu ziehen. 2016 wurden die EU-Grenzwerte für Feinstaub am Messpunkt Karl-Marx-Straße an 18 Tagen überschritten – ein vergleichsweise guter Wert, erlaubt sind 35 Überschreitungstage. Für die gute Bilanz war das Wetter verantwortlich, da hat AfD-Emilia einfach mal recht.

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