Politischer Exot in der Polizei : Ein Grüner unter den Blauen von Berlin

Polizeibeamte seien meistens konservativ – sagt einer, der es nicht ist: Der Kriminalpolizist Oliver Scheunemann hat mit politisch Gleichgesinnten einen Verein gegründet, der den Grünen nahesteht.

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Vom Fach Oliver Scheunemann ist Polizist - und Grüner.
Vom Fach Oliver Scheunemann ist Polizist - und Grüner.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Über Politik lässt sich bekanntlich streiten. Das kann nicht nur bei Familienfeiern ein Stimmungskiller sein. Auch eine 12-Stunden-Schicht wird zur echten Herausforderung, wenn das Gegenüber seine Ansichten in Klischees betoniert, andere Meinungen gar nicht erst hören will und notfalls mit Stammtischparolen kontert. Diese Erfahrung hat Kriminaloberkommissar Oliver Scheunemann in seinen 16 Dienstjahren häufiger gemacht – und deshalb das Thema Politik lange Zeit gemieden. „Ich wollte nicht noch Öl ins Feuer gießen“, sagt der 38-Jährige, der jetzt in der Prävention beim Landeskriminalamt tätig ist. Denn Oliver Scheunemann ist ein „Exot“, sagt er selbst über sich: ein Grüner. Und in einer Behörde wie der Berliner Polizei ist das für viele Kollegen immer noch etwas Besonderes. „Die Beamten dort sind größtenteils bürgerlich-konservativ orientiert“, sagt Scheunemann.

Kürzlich haben sich die Exoten etlicher Polizeibehörden in ganz Deutschland in einem Verein zusammengetan. Seit einem halben Jahr ist Scheunemann Mitglied von „PolizeiGrün“. Der Verein wurde im November 2013 in Karlsruhe gegründet. Das Ziel ist klar: grün-alternative Innenpolitik nach vorne zu treiben. Scheunemann ist Beisitzer und gehört somit zum erweiterten Vorstand der rund zwei Dutzend aktiven Mitglieder. Dazu kämen rund 200 Interessenten, schätzt er. Die grünen Polizisten wollen ihre grünen Innenexperten, aber auch die Verbände in Bund und Ländern beraten. Scheunemann und seine Kollegen seien schließlich „vom Fach“: Sie wissen, was in der Behörde geschieht – und auch, wo es Probleme gibt.

In Berlin sei man in einigen Bereichen der Innenpolitik schon erstaunlich weit, sagt der LKA-Beamte Scheunemann. Zum Beispiel bei der individuellen Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten – ein Anliegen, das Grünen sehr wichtig ist. „In Baden-Württemberg streitet man darüber gerade, aber in Berlin sind wir damit längst durch.“ In anderen Bereichen sieht er aber noch einiges, das geändert werden müsste. So sei etwa das Ziel von „PolizeiGrün“, das Beschwerdewesen nach außen auszulagern. Mutmaßliche Verfehlungen von Polizisten werden von anderen Polizisten untersucht. „Das hat immer einen Beigeschmack“, sagt Scheunemann. Er plädiert dafür, eine unabhängige Stelle diese Fälle bearbeiten zu lassen.

Wie die Kollegen auf seine Vereinstätigkeit reagiert haben? „Sehr interessiert“, sagt er. Er hoffe, dazu beizutragen, dass ein weiteres beliebtes Vorurteil unter Polizisten bald verschwindet: nämlich dass die Grünen ohnehin alle „linke Spinner“ sind.

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