Berlin : Politischer Neubeginn: Der Senat der Juristen

Berlin hat einen neuen rot-grünen Senat. Und so sieht die Übergangsregierung aus:

Klaus Wowereit (SPD) ist neuer Regierender Bürgermeister. Der 47-jährige Jurist hat in der lange Jahre zerstrittenen Berliner SPD schnell Karriere gemacht. Der Haushaltsexperte, der vor sechs Jahren ins Abgeordnetenhaus einzog, wurde binnen einer Woche vom Spitzenkandidaten seiner Partei für Neuwahlen zum Regierungschef der größten deutschen Stadt. Der Jurist, bekennender Homosexueller, war bisher Fraktionschef seiner Partei.

Peter Strieder (SPD) bleibt Stadtentwicklungssenator. Der 49-Jährige bestimmt in diesem Amt seit 1996 das Bild der Hauptstadt mit. Der frühere Bürgermeister des Berliner Szenebezirks Kreuzberg ist seit Januar 1999 auch Landesvorsitzender der Berliner Sozialdemokraten. Er war es, der am 6. Juni dieses Jahres nach einem Krisengespräch mit der CDU die Große Koalition aufkündigte und sich danach immer wieder für schnelle Neuwahlen einsetzte. Der aus Bayern stammende Jurist lebt seit mehr als 20 Jahren in Berlin.

Christiane Krajewski (SPD) ist neue Finanzsenatorin. Die 52-jährige Diplom-Volkswirtin war im Saarland erst unter Ministerpräsident Oskar Lafontaine und später bei seinem Nachfolger Reinhard Klimmt von 1990 bis 1994 Ministerin für Gesundheit und Soziales und von 1994 bis 1999 Finanz- und Wirtschaftsministerin. Unter Lafontaine begann sie 1974 als Mitarbeiterin im Amt für Stadtentwicklung ihre Karriere. Mitte der 80er Jahre hatte sie sich vergeblich bemüht, Saarbrücker Oberbürgermeisterin zu werden.

Gabriele Schöttler (SPD) bleibt Arbeits- und Sozialsenatorin. Die 47-Jährige wuchs in der DDR auf und ist studierte Betriebswirtschaftlerin. SPD-Mitglied wurde sie im Wendeherbst 1989. Ein Jahr später zog sie für ihre Partei ins erste gesamtdeutsche Abgeordnetenhaus in Berlin ein. 1998 wurde Schöttler Senatorin für Arbeit, Soziales und Frauen.

Klaus Böger (SPD) bleibt Bildungssenator. Der 55-Jährige stammt ursprünglich aus Hessen. Zum Studium kam er 1968 nach Berlin. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Assistent an der Freien Universität. Der Politologe wird zum rechten Flügel seiner Partei gezählt. Er zog 1989 ins Abgeordnetenhaus ein und wurde 1995 Fraktionschef. Bei der Urwahl des SPD-Spitzenkandidaten für die Berliner Abgeordnetenhaus-Wahlen 1999 unterlag er Walter Momper. Nach der Neuauflage der Großen Koalition im Dezember des gleichen Jahres wurde Böger neuer Senator für Bildung, Jugend und Sport.

Ehrhart Körting (SPD) ist neuer Innensenator. Der 58-Jährige ist gebürtiger Berliner und gehörte von 1997 bis 1999 als Justizsenator der Großen Koalition in Berlin an. Nachdem das Ressort nach den Wahlen dem Regierenden Bürgermeister zugeordnet wurde, kehrte Körting in seinen Rechtsanwaltsberuf zurück. Er trat für eine härtere Bestrafung von Graffiti-Sprayern ein und machte sich für einen Nordoststaat aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stark.

Wolfgang Wieland (Grüne) ist neuer Justizsenator. Der 53-Jährige studierte Jura in Frankfurt und West-Berlin, wo er sich als Rechtsanwalt niederließ. 1978 wurde er Mitglied der Alternativen Liste. Von 1987 bis 1989 und seit 1991 sitzt der gebürtige Berliner für die Grünen im Abgeordnetenhaus. Dort war er bisher Fraktionschef. Sein eigentliches Ziel war daher auch Senator für Inneres zu werden. Auf Druck der SPD musste er den Posten des Justizsenator akzeptieren.

Juliane Freifrau von Friesen (parteilos) wurde auf Vorschlag der Grünen neue Wirtschaftssenatorin. Die 51-jährige Juristin ist gebürtige Berlinerin und verbrachte ihre Kindheit in Bayern. 1992 stieß sie zum ostdeutschen Energieversorger VEAG, wo sie sich als Bereichsleiterin um die obersten Führungskräfte kümmert. Zuvor führte sie die Rechts- und Personalabteilung eines Metallunternehmens. Sie ist auch ehrenamtliche Richterin am Landesarbeits- und Landessozialgericht.

Adrienne Goehler (parteilos) wurde auf Vorschlag der Grünen neue Senatorin für Kultur und Wissenschaft. Die 45-Jährige Diplompsychologin wurde 1989 als erste Frau und krasse Außenseiterin zur Präsidentin der Hamburger Hochschule für Bildende Künste berufen. Als Abgeordnete der GAL-Frauen-Fraktion zog sie 1986 in die Hamburger Bürgerschaft ein. Für ihren voraussichtlich neuen Job kündigte sie bereits an, sie wolle keine Bühne in Berlin schließen. Ursprünglich kommt Goehler aus Baden.

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