Polizei Berlin : Kampagne gegen Cybermobbing

Viele Jugendliche sind täglich mit Mobbing im Internet konfrontiert. Die Polizei klärt auf, wie man sich gegen Drohungen im Internet wehren kann.

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Einer Studie zufolge hatten schon zehn Prozent der Jugendlichen mit Cybermobbing zu tun.
Einer Studie zufolge hatten schon zehn Prozent der Jugendlichen mit Cybermobbing zu tun.Foto: imago/McPHOTO

„Es begann damit, dass in sozialen Medien über mich gelästert wurde. Später wurde ich geschlagen, geschubst, erpresst, beschimpft und bedroht.“ So erzählt es Marie Peters, die heute 20 Jahre alt ist und eigentlich einen anderen Namen hat. Als sie vor sechs Jahren von Marzahn nach Tempelhof zieht, gelingt der ehemaligen Klassensprecherin kein Anschluss in ihrer neuen Klasse. „Ich dachte, ich sei Teil der beliebten Mädchen-Clique. Falsch gedacht“, sagt sie rückblickend. Erst als die damals 14 -Jährige nach einer Mutprobe mit 2,6 Promille komatös ins Krankenhaus eingeliefert wird, bekommt sie Hilfe. An den psychischen Folgen, sagt Peters, leide sie aber noch immer.

Was Marie Peters widerfuhr, nennen Experten „Cybermobbing“, also Mobbing im Netz. Mit diesem Thema beschäftigt sich nun eine Kampagne der Berliner Polizei. Fünf Tage lang widmet sie sich gemeinsam mit dem Verein „Stop Cybermobbing“ verschiedenen Formen des digitalen Mobbings. Fünf Themen werden öffentlich auf Facebook anhand fiktiver Beispiele behandelt. Am Montag ging es um Vertrauensmissbrauch; danach folgen Bedrohung, Fake-Accounts, öffentliches Fertigmachen und Happy Slapping am Freitag.

Happy was? „Dabei handelt es sich um eine Demütigung, die gefilmt und ins Netz gestellt wird“, sagt Yvonne Tamborini vom Social Media Team der Polizei. Die Kampagne solle vor allem junge Leute ansprechen, so Tamborini. Schließlich stelle diese Gruppe sowohl die meisten Opfer als auch Täter. „Aber auch Eltern und Großeltern sollen für dieses Thema sensibilisiert werden.“

Zwar stellt Cybermobbing in Deutschland keinen eigenen Straftatbestand dar, aber es beinhaltet oft strafrechtlich relevante Bestände. „Dazu zählen wir unter anderem Beleidigung, üble Nachrede, Nötigung, Bedrohung und Verleumdung“, sagt Tamborini. Wie häufig strafrechtlich relevantes Cybermobbing vorkommt, kann die Polizei nicht sagen. Sie listet nur die jeweiligen Straftatbestände auf. Ob die aber online oder analog verübt worden sind, geht aus der Statistik nicht hervor. „Dazu kommt, dass wir von einer ganz großen Dunkelziffer nicht angezeigter Fälle ausgehen“, so Tamborini.

Zahlen liefert eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov von 2015. Danach sei jeder fünfte deutsche Jugendliche mindestens einmal Opfer von Cybermobbing geworden. In einer anderen Studie von 2011, bei der 25 000 europäische Jugendliche zwischen 9 und 16 Jahren befragt worden waren, gaben zehn Prozent an, in den letzten Monaten Opfer von Cybermobbing geworden zu sein.

Von der Kampagne der Polizei erhofft sich Tamborini deshalb nicht nur eine Sensibilisierung und Verständnis für das Thema, sondern auch ein Bewusstsein, dass es sich bei Cybermobbing um Straftaten handelt.

Marie Peters findet die Kampagne der Polizei eine hilfreiche Sache. Als sie damals Mobbing-Opfer wurde, habe sie vieles nicht gewusst: „Die Polizei zu informieren, wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen.“

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