Polizei Berlin will twittern : Behördensprech auf 140 Zeichen

Die Berliner Polizei will sich künftig kurz fassen: auf Twitter. Was das fürs Beamtendeutsch bedeutet, kann bisher nur vermutet werden. Eine Vorausschau.

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Die spanische Polizei macht vor, was die Berliner Kollegen erst noch lernen müssen: Verbrechensbekämpfung auf Twitter Foto: dpa
Die spanische Polizei macht vor, was die Berliner Kollegen erst noch lernen müssen: Verbrechensbekämpfung auf TwitterFoto: dpa

@PolizeiBerlin: „Aus derzeit noch ungeklärter Ursache haben sich zwei Männer am Dienstagnachmittag gegen 14.50 Uhr in der Zwinglistraße im Ortsteil Tiergarte...“ Ja, was? Gegrüßt? Bemalt? Zum Essen eingeladen? 140 Zeichen, wie sie der Kurznachrichtendienst Twitter vorschreibt, sind eigentlich viel zu wenig für den täglichen Polizeisprech. Trotzdem will Innensenator Frank Henkel, so sagt er es in seiner Antwort auf eine kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus, die Polizei künftig zwitschern lassen. Auf dem Kurznachrichtendienst sollen die Beamten dann Polizeimeldungen wie jene im obigen Beispiel publizieren. Außerdem werde „die Öffentlichkeit bei Vorliegen der (datenschutz-)rechtlichen Voraussetzungen auf diesem Wege grundsätzlich auch über herausragende Öffentlichkeitsfahndungen unterrichtet werden können.“

Aha, diese hippen Social-Media-Kanäle, von denen immer alle reden, können also auch staubtrocken sein. Gut, dass die Polizei am genauen Konzept noch feilt, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Die „Projektgruppe Neue Medien“ arbeitet derzeit daran. Es steht zu vermuten: mit Hochdruck oder jedenfalls immer mal wieder.

Andere sind da schon weiter. Gregor Marwedel zum Beispiel hat im vergangenen Jahr einfach mal angefangen, die Meldungen, die die Berliner Polizei so veröffentlicht, auf Facebook und Twitter zu stellen. Ergebnis: fast 28000 „Gefällt mir“-Angaben auf Facebook und fast 2000 Follower auf Twitter. Das Interesse ist da, die Resonanz riesig und Marwedel freut sich auf Nachfrage über eine sehr aktive Community, auch wenn die Polizei das anfangs gar nicht lustig gefunden habe. Jetzt heißt es aus der Pressestelle nur noch kurz angebunden, verbieten könne man es ihm eben nicht. Schwierig in diesem Neuland Fuß zu fassen, wenn die Fälschung vor dem Original auf dem Markt ist.

Denn so neu sind die Neuen Medien schon gar nicht mehr. In Berlin hat das als Erstes die S-Bahn erkannt. Auf Twitter informieren zum Beispiel regelmäßig Micha, Maya und Peter über Fahrplanänderungen und Termine oder wünschen einfach einen guten Morgen. 15 000 Leute erreicht die S-Bahn mit ihrem Social-Media-Team. Verständlicher als die Durchsagen am Bahnsteig sind die Tweets allemal. Und persönlicher.

Damit konnten auch schon die norwegischen Kollegen der Polizei punkten. Gerufen zu einer Autopanne twitterten die Osloer Beamten: „Der Fahrer kniet sich auf eine Decke und beginnt zu beten. Sind nicht sicher, dass das hilft.“ Die teils zynischen Tweets der Polizisten wurden bei den Social Media Days sogar ausgezeichnet. Die Latte für die Berliner liegt also hoch. Der erste Tweet ist vermutlich schon vorbereitet: „Heute gegen 10.30 Uhr hat die Polizei Berlin #Neuland betreten. Verletzt wurde niemand.“

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