Berlin : Polizei besetzt Friedrichshainer Kiez

2000 demonstrierten gegen Räumung des besetzten Hauses – aber die Beamten hatten bis spät in der Nacht die Situation im Griff

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Schweres Gerät. Bei der Räumung des verbarrikadierten Hauses musste die Polizei auch Motorsägen und Vorschlaghammer einsetzen. Foto: dpa
Schweres Gerät. Bei der Räumung des verbarrikadierten Hauses musste die Polizei auch Motorsägen und Vorschlaghammer einsetzen....Foto: dpa

Die nächtliche Szene war gespenstisch. Flackerndes Blaulicht im gesamten Viertel zwischen Warschauer Straße und Karl-Marx-Allee, das Knattern des Polizeihubschraubers, Böllerlärm, splitternde Scheiben und eine grölende Menge schwarz vermummter Demonstranten, deren Aggressivität jede Minute zunahm. Ein erneuter Gewaltausbruch begann am Mittwochabend nach der Räumung des besetzten Hauses an der Liebigstraße 14. Die Szene mobilisierte zur nächtlichen Vergeltung. Doch der Polizei gelang es, eine Eskalation zu verhindern. Nach ihren Angaben wurden allerdings zahlreiche Polizisten verletzt. Etliche Randalierer wurden vorübergehend festgenommen. Genaue Zahlen sollen heute Vormittag bekannt gegeben werden.

Nach der Räumungsaktion war es tagsüber relativ friedlich geblieben. Am Abend versammelte sich dann aber die Besetzerszene am Boxhagener Platz, bis 19 Uhr kamen bis zu 2000 Angehörige Linke und Autonome zusammen, darunter viele schwarz Gekleidete und Vermummte. Die Demonstranten wollten anfangs zum geräumten Haus in der Liebigstraße laufen, diese blieb aber strikt abgeriegelt. Ihre Sprecher einigten sich dann mit der Polizei auf eine Marschroute in Richtung Warschauer Straße und Frankfurter Allee.

Der Umzug begann friedlich, doch schon nach einigen hundert Metern – vorneweg marschierte der Schwarze Block – explodierten in Höhe Kopernikusstraße zahlreiche Böller. Laut Polizei wurden dabei einige Beamte verletzt, unter anderem durch Knalltraumata. An der Ecke Warschauer-/Revaler Straße flogen erste Steine, die Fenster einer Sparkassenfiliale gingen zu Bruch. Die Aggressivität war so aufgestaut wie bei 1. -Mai-Randalen, die Situation drohte in einen erneuten Gewaltausbruch umzukippen. Etwa ein Viertel der Teilnehmer wurden von der Polizei zu diesem Zeitpunkt als gewaltbereit eingeschätzt.

In diesem Moment entschlossen sich nach Darstellung der Polizei die Veranstalter des Umzuges, die Demo abzubrechen. Offenbar war auch ihnen die Entwicklung zu heiß geworden, eine Begründung gaben sie nicht. daraufhin verkündete die Polizei über ihre Lautsprecher, die Demosntration sei aufgelöst. Die Protestler sollten sich „in Gruppen“ zur Spree entfernen. Zugleich wurde ein generelles Demonstrationsverbot für die Nacht verkündet – und es fuhren Wasserwerfer auf, vor allem, um einen Durchbruch zur Liebigstraße zu verhindern.

Mehrere hundert Protestler des gewaltbereiten Blocks gaben aber nicht auf und lieferten sich nun bis in die Nacht ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. So zogen etwa 300 Militante erst Richtung O2-World und Ostbahnhof und weiter zur Straße der Pariser Kommune, wo sie die Fahrbahn blockierten. Weitere marodierende Trupps liefen durch das Gebiet zwischen Warschauer Straße und Karl-Marx-Allee und ließen ihre Wut an Baustellenabsperrungen aus. Durch die massive Präsenz der Polizei wurden sie aber schnell immer mehr zerstreut, ein noch größerer Gewaltausbruch wurde verhindert. Allerdings vertrieb auch die beißende Kälte immer mehr Protestler.

Bei der Räumung des besetzten Hauses hatten es die Bewohner der Polizei am Morgen nicht leicht gemacht: Sie hatten den Altbau vom Keller bis zum Dachboden verbarrikadiert und mit Fallen gespickt. Fünf Stunden benötigte die Polizei, um das Hausprojekt zu räumen. Insgesamt wurden 32 Frauen und Männer wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands festgenommen, fünf Beamte erlitten bei der Aktion Verletzungen.

Mehrere Hundertschaften hatten die Rigaer Straße und die Liebigstraße in Friedrichshain bereits am frühen Morgen abgeriegelt, nachdem zuvor rund 70 Autonome die Kreuzung besetzt hatten. Spezialkräfte räumten gegen 5 Uhr alle Dächer der umliegenden Häuser, um Steinwürfe zu verhindern. Kurz nach Beginn der Räumung kam es auf der Frankfurter Allee zu Auseinandersetzungen, etwa 500 Linke warfen Steine und Flaschen. Am Nachmittag übergab die Polizei das im Innern stark beschädigte Haus an den Eigentümer Suitbert Beulker.

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