Berlin : Polizei entdeckte Leiche zufällig im Kofferraum - Ermittlungen gegen die Mutter

Annette Kögel

Der Fall des toten Babys im Kofferraum gibt den ermittelnden Behörden weiter Rätsel auf. Wie berichtet, erfuhr die Polizei zufällig von der Leiche, nachdem sie den Wagen der Familie aus Rudow nach einem Unfall auf der Avus untersucht hatte. Ein dringender Tatverdacht gegen die Mutter wegen eines vorsätzlichen Tötungsdelikts besteht aber nicht, wie Justizpressesprecher Martin Steltner auf Nachfrage mitteilte. Ihren Angaben zufolge ist der sieben Monate alte Sohn beim Baden in der Wanne ertrunken, während sie einen Ohnmachtsanfall erlitt. "Die Ermittlungen laufen weiter in Richtung auf ein mögliches Fremdverschulden", sagte der Justizsprecher weiter.

Mit einem solch seltsamen Fall haben sich die Behörden schon lange nicht mehr beschäftigt: Da eilen Beamte der Verkehrsunfallbereitschaft am Sonnabend gegen 13 Uhr zu einem Unfall auf der Avus. Ein Rudower Ehepaar und seine beiden fünf und acht Jahre alten Töchter waren mit dem Auto auf der Avus zwischen den Abfahrten Spanische Allee und Hüttenweg eine Böschung hinauf gefahren, nachdem ein Reifen geplatzt war. Als die Polizisten die Unfallstelle sichern, eröffnet ihnen der Familienvater, dass im Kofferraum die Leiche des sieben Monate alten Sohnes liege, der kürzlich in der Badewanne ertrunken sei. Das tote Baby wird beschlagnahmt und obduziert, die Mutter dem Bereitschaftsrichter vorgeführt.

Die Staatsanwaltschaft stellt aber keinen Antrag auf Haftbefehl, denn die 34-jährige Mutter versichert folgenden Hergang: Sie habe das Kind gebadet, als sie plötzlich einen Schwächeanfall erlitt und ohnmächtig wurde. Als sie wieder zu sich kam, habe sie ihr Kind nur noch tot aus dem Becken nehmen können. Die Obduktion ergab, dass das Baby einen "Tod durch Ertrinken" erlitt, sagte Justizsprecher Steltner weiter. Warum die Frau nicht Polizei und Bestattungsunternehmer informierte und stattdessen mit der Leiche im Wagen erst nach Westfalen fuhr, konnte der Sprecher nicht erklären. Die Autofahrerin war dort schon durch erhebliche Fahrfehler aufgefallen. Dass der Wagen mit einem Hubschrauber verfolgt wurde, konnte die Pressestelle des Düsseldorfers Landeskriminalamtes nicht bestätigen.

Natürlich gebe es bei dem Vorfall, der erst Montag presseöffentlich wurde, einen "gewissen Unsicherheitsfaktor", sagte Steltner. Zu Hintergründen konnte noch niemand etwas sagen. Vermutungen zufolge haben bei der Fahrt nach Westdeutschland Panik und Verzweiflung eine Rolle gespielt.

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