Berlin : Polizei ertappte in zwei Stunden 25 Rotsünder

MICHAEL BRUNNER

Vier Monate Ampeln am Großen Stern: Viele Verstöße, aber deutlich weniger UnfälleVON MICHAEL BRUNNER BERLIN.Bei einer zweistündigen Großaktion am Großen Stern hat die Polizei gestern mittag 25 Rotsünder auf frischer Tat ertappt, 23 Autofahrer und 2 Radler.55 Beamte waren an den Kontrollen beteiligt.Die Polizei kündigte weitere Kontrollen an, teilte aber auch mit, daß die Zahl der Unfälle seit der Installation der Ampelanlagen Ende 1997 deutlich zurückgegangen ist. Den Zweck des Einsatzes beschrieb Hauptsachbearbeiter Hans-Joachim Brewka gestern folgendermaßen: "Die Ampelanlagen werden massiv mißachtet." Dies müsse geändert werden.Bei einer zweistündigen verdeckten Überwachung des Großen Sterns am 29.Januar 1998 seien sogar 28 Verstöße festgestellt und geahndet worden.Als die Polizei wenig später die Gegenprobe machte und Beamte in Uniform an den Ampeln um die Siegessäule postierte, fuhr kein einziges Auto bei Rot auf die Kreuzung. Wenige Minuten vor 11 Uhr richtete die Polizei in drei der fünf Zufahrtsstraßen zum Großen Stern Kontrollstellen ein.Beamte in Zivil begaben sich zu den Ampelanlagen der Einfahrten in den Großen Stern.Dort achteten sie auf Fahrzeuge und Fahrräder, die nach Eintritt der Rotphase über die Haltelinie fuhren.Anschließend gaben die Späher in Zivil über Funk Wagentyp, Farbe und Kennzeichen der Rotsünder an die Kontrollstellen in den Ausfahrten weiter.Dort winkten uniformierte Beamte die Verkehrssünder an den Straßenrand.Die Bilanz nach zweistündigen Kontrollen: 23 Autofahrer und 2 Radfahrer waren trotz roter Ampel in den Kreisverkehr eingebogen.Ein Autofahrer war drei Sekunden nach Beginn der Rotphase über die Haltelinie gefahren, ein Radfahrer gar zehn Sekunden danach.Für den Radler bedeutete das 125 Mark Bußgeld.Der Autofahrer muß 200 Mark zahlen.Zudem muß er mit einem einmonatigen Fahrverbot rechnen.Wird der Verstoß als besonders schwer eingestuft, kann das Verbot auf drei Monate ausgedehnt werden. Ampeln am Großen Stern gibt es seit dem 13.Dezember 1997.Die Polizei hat festgestellt, daß der Rundkurs um die Siegessäule seit der Installation der Ampelanlagen viel von seinem Schrecken eingebüßt hat.Zahlen für den März 1998 belegen dies: In dieser Zeit gab es im Polizeiabschnitt 34 insgesamt 304 Unfälle.20 davon ereigneten sich am Großen Stern.Damit war die Umgebung der Siegessäule in der Rangordnung der größten Unfallschwerpunkte statistisch gesehen hinter Potsdamer Straße (25 Unfälle), Straße des 17.Juni Richtung Westen (23) , Straße des 17.Juni Richtung Osten (21), Invalidenstraße (19) und Budapester Straße (14) gelandet.Diese Entwicklung hatte sich zuvor deutlich abgezeichnet.Bis Dezember 1997 hatte die Polizei monatlich rund 70 Unfälle am Großen Stern registriert.Im Januar 1998 gab es 30 Unfälle, im Februar nur noch 19.Häufigste Unfallursachen für die 20 Unfälle im März war das Nebeneinanderfahren (13 Fälle).Dreimal fuhren Autofahrer bei Rot und lösten damit Zusammenstöße aus. Bei den gestrigen Kontrollen bekamen die Polizisten jene Ausreden zu hören, die inzwischen zum Standardrepertoire von Rotsündern gehören."Es war nicht Rot, als ich kam", sagte ein Fahrer, schwieg aber schließlich und bestritt seinen Verstoß nicht länger."Ich habe nicht gemerkt, daß Rot war", sagte ein junger Mann am Steuer eines Lieferwagens."Ich habe die rote Ampel zu spät bemerkt und wollte keine Vollbremsung", sagte ein weiterer Fahrer.Einem gestoppten Taxi entstieg eine Geschäftsfrau aus Stuttgart."Klar, ich habe dem Fahrer gesagt, daß ich es eilig habe, die Maschine geht in einer Stunde", sagte sie.Nach dem Ende der Kontrollen um 13 Uhr stand für Abschnittsleiter Otto Ernst Loebert fest: "Wir werden zwecks Unfallverhütung weiterhin Kontrollen durchführen."

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