Berlin : Polizei hebt Waffenlager der Rocker aus Razzia bei Hells Angels in Cottbus

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Cottbus - Die Polizei hat am Mittwoch bei einer Razzia in Cottbus ein Waffenlager des Rockerclubs Hells Angels ausgehoben. Die rund 200 Beamten durchsuchten 18 Wohn- und Geschäftsräume sowie das Vereinsheim der Hells Angels. Auf einem größeren Gartengrundstück entdeckten Spezialisten des Landeskriminalamtes mit Hilfe von Metalldetektoren eine vergrabene Metallkiste. Auch Sprengstoffexperten wurden hinzugezogen. In der Kiste lagen mehrere scharfe Schusswaffen: eine Pumpgun, eine abgesägte doppelläufige Schrotflinte, drei Pistolen sowie Munition, daneben mehrere Handbeile und eine Präzisionsschleuder. Der 28-jährige Rocker, der den Garten nutzt, wurde festgenommen. Insgesamt fanden die Beamten Übungspatronen, ein Bajonett, Messer, Samurai-Schwerter, Macheten, Morgensterne, Quarzsandhandschuhe, Drogen und Anabolika.

Anlass der Razzia ist eine Feier der Hells Angels am Wochenende zum fünfjährigen Bestehen der Cottbuser Niederlassung. Auch zahlreiche Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland haben sich angekündigt. „Das wissen auch rivalisierende Gruppen“, sagte ein Polizeisprecher. Offenbar wussten die Ermittler von dem Waffenlager. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Klubs wie Bandidos oder Gremium das Treffen für einen Anschlag nutzen wollten – und die Hells Angels dafür im Vorfeld Waffen in Depots gelagert haben, um sich darauf vorzubereiten, hieß es. Die Polizeiaktion diene daher der Gefahrenabwehr.

Die Ermittler wollten den Einsatz als „deutliches Zeichen“ an die Rockerszene verstanden wissen. Sie befürchten ein Übergreifen der jüngsten Auseinandersetzungen in Berlin auf Brandenburg. „Insgesamt ist die Situation als fragil einzuschätzen“, hieß es. Wegen der engen Vernetzung der Rockerklubs seien die Vorgänge auch für Brandenburg von Bedeutung. Die Ermittler in Berlin schätzen die Lage als angespannt und äußerst unübersichtlich ein, zumal nach diversen Selbstauflösungen und Übertritten verschiedener Klubs. In Berlin war Anfang Juni der Chef der Hells Angels „Nomads“ angeschossen worden. Zudem steht ein Ultimatum an andere Klubs im Raum, sich aufzulösen oder überzutreten. Auch gab es Schüsse auf Bandidos vor deren Vereinsheim im Wedding. Dagegen war es in Südbrandenburgs nach früheren blutigen Konflikten mit Schüssen und Messerstichen ruhig. Hier haben die Hells Angels die Szene fest im Griff, machen mit Drogen, Prostitution und Schutzgeld Geschäfte. Sorgen bereiteten den Ermittlern vor allem enge Bande in die Hooliganszene, zu Kampfsportklubs und Rechtsextremisten. Alexander Fröhlich

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