• Polizei ignoriert Handy-Sünder und schreibt lieber Knöllchen Telefonierende Fahrer haben gute Chancen davonzukommen

Berlin : Polizei ignoriert Handy-Sünder und schreibt lieber Knöllchen Telefonierende Fahrer haben gute Chancen davonzukommen

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Wer im Auto ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, hat in Berlin gute Chancen, straflos davon zu kommen. Denn offenbar kümmern sich viele Streifenpolizisten nicht um das Mobiltelefon am Steuer. Um das Problem in den Griff zu bekommen, gab es vor einigen Wochen stadtweite, sechstägige Kontrollen. In diesen Tagen wurden 2700 Telefonierer ertappt – so viel wie sonst in vier Monaten, sagte Wolfgang Klang vom Stabsbereich Verkehr im Landesschutzpolizeiamt. Dabei zeigten manche Fahrer kein Schuldbewusstsein und telefonierten ungerührt weiter, während sie ein Polizist heranwinkte. Allerdings zahlten die meisten Ertappten ihre Strafe von 30 Euro ohne Protest. Ein Autofahrer habe den Beamten sogar seine Kreditkarte entgegengehalten und sie aufgefordert: „Hier machen Sie mal.“ Noch akzeptiert allerdings die Polizei kein Plastikgeld. Trotz ihres Erfolgs blieben es die einzigen Kontrollen dieser Art.

Insgesamt wurden 2002 rund 6400 Verkehrssünder beim Telefonieren ertappt. Pro Jahr werden 30 bis 40 Unfälle registriert, bei denen einer der Beteiligten durch ein Telefonat abgelenkt war. Die Dunkelziffer liegt nach Klangs Schätzung viel höher. In den meisten Fällen gelingt es dem schuldigen Fahrer nach einem Zusammenstoß, sein Telefon noch schnell und unbemerkt verschwinden zu lassen. Wird allerdings ein Unfallbeteiligter beschuldigt, er habe während der Fahrt telefoniert, und er streitet das ab, dann prüft die Polizei dies beim Mobilfunkbetreiber nach. Bei Streifenpolizisten sei es derzeit noch von untergeordnetem Interesse, sich um Handy-Sünder zu kümmern, klagte Klang. Viel lieber kümmern sich die Beamten um Falschparker. Das garantiert schnellen Erfolg und erspart den Beamten Nerven aufreibende Diskussionen.

Dass die Zahl der Handy-Sünder so extrem hoch ist, liegt nach Klangs Auffassung aber auch an der Uneinsichtigkeit der Autofahrer. Viele seien zu bequem, um sich die einfachste Form einer Freisprecheinrichtung – ein so genanntes Head-Set aus Ohrhörer und Mikrofon – umzulegen. Wieder andere greifen bei ankommenden Gesprächen schnell zum Telefon und halten erst dann am Straßenrand, wie es das Gesetz vorsieht.

Das Telefonierverbot ohne Freisprecheinrichtung gilt seit Februar 2001 für Auto- und Radfahrer. Radler müssen 15 Euro Strafe zahlen. Dem ADAC ging das Verbot nicht weit genug. Er hatte ein generelles Verbot verlangt. weso

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