24-Jähriger nach Messerattacke vor Gericht : In der zweiten Reihe geparkt – und zugestochen

Einer parkte in der zweiten Reihe, der andere regte sich auf. Ein Wort gab das andere. Immer lauter wurde es, dann handgreiflich und schließlich sogar lebensgefährlich.

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Der Fahrer des BMW, der an jenem Abend im September 2010 die Utrechter Straße in Wedding blockierte, zog ein Messer. Bei dem rabiaten Autofahrer soll es sich um Tahir Ö. gehandelt haben. Der 24-Jährige steht seit Mittwoch wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

Wenig bedrückt wirkte der junge Mann auf der Anklagebank. Tahir Ö. zwinkerte seinen Bekannten unter den Zuschauern zu, lehnte sich zurück und schwieg. Er befindet sich seit Mitte Januar in Untersuchungshaft. Im Gefängnis aber war der Reinickendorfer Ö., der zuletzt arbeitslos war, schon früher. Er ist mehrfach wegen Gewalttaten vorbestraft und bekam zuletzt Ende 2006 drei Jahre Haft.

Tahir Ö. soll den BMW wenige Tage vor der aggressiven Szene im Straßenverkehr erworben haben. Allerdings sei unklar, wer Halter und Besitzer ist, sagte der Staatsanwalt am Rande des Prozesses. Er jedenfalls geht davon aus, dass es Ö. war, der am Steuer saß. Er soll mit zwei Männern unterwegs gewesen sein, die bis heute nicht ermittelt werden konnten. Es war 18.05 Uhr, als der 31-jährige C. mit seinem Nissan die Straße passieren wollte. Der BMW als Hindernis in zweiter Reihe ließ ihn wütend werden.

Der Nissan-Fahrer stieg aus und regte sich laut Anklage auf. Zunächst benahmen sich wohl beide Autofahrer alles andere als besonnen. Der Blockierte soll nach einem Wortgefecht auf den BMW-Fahrer zugegangen und ihn leicht gegen die Schulter geschubst haben. Es kam zur Prügelei. Der BMW-Fahrer nahm den Nissan-Fahrer in den Schwitzkasten. Seine Begleiter rissen ihn weg. Der BMW-Fahrer aber soll sich erneut auf den Kontrahenten gestürzt, ein Messer gezogen und „mit einer ausholenden, zielgerichteten Stichbewegung“ auf das erkennbar unbewaffnete Opfer eingestochen haben.

Der Nissan-Fahrer erlitt Verletzungen in Bauch und Oberschenkel und musste notoperiert werden. Der BMW wurde am nächsten Morgen sichergestellt: Er stand ausgebrannt im Humboldthain. Nach längeren Ermittlungen wurde Tahir Ö. festgenommen. Ob er tatsächlich der rabiate Autofahrer war, soll an drei weiteren Verhandlungstagen geklärt werden. Der Prozess geht am 17. August weiter.

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