Acht Wohnungen in Berlin durchsucht : Internationale Schleuserbande ausgehoben

Polizei und Staatsanwaltschaft haben in Berlin eine internationale Bande ausgehoben, die rund 100 Vietnamesen nach Deutschland, England und Frankreich geschleust haben soll. 21 Personen werden verdächtigt.

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Die Polizei sucht nach einem 39-Jährigen, der eine Frau in Neuruppin getötet haben soll.
Die Polizei sucht nach einem 39-Jährigen, der eine Frau in Neuruppin getötet haben soll.Foto: dpa/Archiv

Die Ermittlungen gegen die vietnamesisch-polnische Schleusergruppe liefen bereits seit dem vergangenen November. Der Bande wird das gewerbs- und bandenmäßige Einschleusen von rund 100 Ausländern in mindestens 26 Fällen vorgeworfen. Für einen Preis zwischen 10.000 und 25.000 Euro pro Person sollen die Täter vietnamesischen Staatsangehörigen geholfen haben, in mehreren Etappen über Litauen, Weißrussland und Österreich zunächst nach Polen, dann nach Deutschland und teilweise auch weiter nach England und Frankreich zu reisen. 21 Personen werden verdächtigt, Mitglieder der Schleuserbande zu sein - darunter auch ein Deutscher polnischer Herkunft.

Zwei Schleuser auf frischer Tat festgenommen

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilten, wurden bereits am Montag acht Wohnungen in Marzahn, Lichtenberg, Treptow, Alt-Hohenschönhausen, Köpenick und Reinickendorf durchsucht. 70 Beamte waren im Einsatz. Bei den Durchsuchungen seien unter anderem "schleusungsrelevante Personaldokumente", Blanko-Geburtsurkunden sowie Diebesgut aus anderen kriminellen Aktivitäten sichergestellt worden. Zwei Mitglieder der Schleuserbande - Vietnamesen, die sich illegal in Deutschland aufhielten - wurden in einer der Wohnungen festgenommen. Bei ihnen waren neun Personen, die gerade nach Deutschland eingeschleust worden waren.

Mehrere Haftbefehle vollstreckt

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden sollen die Schleuser "teilweise rücksichtslos und mit erheblicher krimineller Energie" vorgegangen sein. Beispielsweise seien Fahrer losgeschickt worden, die gar keinen Führerschein hatten. Auch sollen mehrere Geschleuste in Wohnungen festgehalten worden sein, bis ihre Angehörigen für die zuletzt zurückgelegte Etappe gezahlt hatten. Laut Staatsanwaltschaft gibt es nach derzeitigem Ermittlungsstand keine Hinweise auf Zwangsprostitution.

Gegen mehrere Verdächtige waren Haftbefehle erwirkt worden, die am Montag und Mittwoch vollstreckt wurden. Unklar war am Donnerstag, wie viele der mutmaßlichen Schleuser in Haft sitzen - die Staatsanwaltschaft verwies auf die nach wie vor laufenden Ermittlungen.


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