Alkoholmissbrauch : Immer mehr Mädchen greifen zur Flasche

Die Zahl der betrunken aufgegriffenen Kinder und Jugendlichen ist insgesamt rückläufig, unter ihnen sind immer mehr Mädchen. Zudem werden die erwischten Trinker jünger.

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Die Zahl der von der Polizei aufgegriffenen Kinder und Jugendlichen ist rückläufig. In den ersten neun Monaten des Jahres 2010 waren es 1227 Minderjährige, darunter 77 Kinder (unter 14 Jahre) und 1150 Jugendliche (unter 18 Jahre). Diese Zahlen nannte jetzt die Gesundheitsverwaltung auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner. Zahlen für das gesamte Jahr 2010 sind noch nicht verfügbar. 2009 waren 2058 Kinder und Jugendliche alkoholisiert von der Polizei aufgefunden worden, diese Zahl dürfte nach Angaben von Experten im Jahr 2010 nicht mehr erreicht worden sein. Auffallend ist, dass der Anteil der Mädchen steigt. 2009 waren es 2,7 mal so viele Jungen wie Mädchen, 2010 nur noch 2,5 mal so viele. Zudem werden die Trinker jünger. Der Anteil der Kinder an den Aufgegriffenen ist von 5,6 Prozent (2009) auf 6,3 Prozent (2010) gestiegen.

An jedem Wochenende veröffentlicht das Polizeipräsidium eine Liste der Fälle, zuletzt waren es in der Nacht zu Sonntag zwei 15 und 16 Jahre alte Mädchen und ein 14-jähriger Junge, die in verschiedenen Bezirken gefunden und in Krankenhäuser gebracht wurden. Zwei von ihnen waren so stark betrunken, dass sie stationär aufgenommen wurden.

Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung werden die bezirklichen Jugendämter grundsätzlich von der Polizei oder den Ordnungsämtern über betrunken aufgegriffene Kinder und Jugendliche informiert. Die Jugendämter nehmen dann „zeitnah“ Kontakt zu den Eltern auf, in der Regel nur schriftlich durch sogenannte Elternbriefe. Darin werden die Eltern über Beratungsstellen informiert, oder es wird ihnen unmittelbar ein Gesprächsangebot unterbreitet. Ob die Eltern diese Angebote wahrnehmen oder selbst mit ihren Kindern über den Alkoholkonsum sprechen, liegt nach Angaben der Senatsverwaltung „in ihrer elterlichen Verantwortung“. Nur im Einzelfall erfolge in den Jugendämtern die Prüfung, ob das Wohl der Kinder gefährdet sei.

Die meisten Betrunkenen wurden in Pankow und Mitte aufgegriffen, auf den Plätzen 3 und 4 folgen Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Getrunken werde vor allem in Parks und Grünanlagen wie dem Volkspark Wilmersdorf und dem Mauerpark in Prenzlauer Berg, in Fußgängerzonen wie in Alt-Tegel und Einkaufszentren wie den Gropiuspassagen, heißt es in der Antwort der Verwaltung. Aber auch Diskotheken wie das „Kudorf“ (das seit einiger Zeit Q-Dorf heißt) in der Joachimstaler Straße seien auffällig, zudem zentrale Plätze wie Alexanderplatz, Hardenbergplatz, Joachimstaler Platz und der Steglitzer Herrmann-Ehlers-Platz.

Erstmals haben 2010 zwei Bezirke jeweils einer Kneipe die Schankerlaubnis entzogen, und zwar in Spandau und in Pankow. 2008 und 2009 hatte es berlinweit diese drastischste Maßnahme nach Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz nicht gegeben. Den Alkohol bekommen die Minderjährigen allerdings selten in Gaststätten. Auch Supermärkte und Einzelhandelsgeschäfte achten nach Angaben der Verwaltung überwiegend auf den Jugendschutz. Dagegen verkaufen nach den Erfahrungen der Ordnungsämter vor allem Kioske, Spätverkaufsstellen und Tankstellen auch Hochprozentiges an Jugendliche. Verstöße ließen sich jedoch nur selten nachweisen. Ha

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