Alkoholrausch : 37-Jähriger stirbt in Polizeigewahrsam

Ein betrunkener Mann ist in der vergangenen Nacht in einer Ausnüchterungszelle gestorben. Nach Polizeiangaben hatten Beamte zuvor regelmäßig nach dem 37-Jährigen geschaut. Der Nachtarzt war allerdings nicht vor Ort.

Jörn Hasselmann

Ein stark betrunkener Mann ist am Dienstagabend in einer Gefängniszelle der Polizei gestorben. Der 37-Jährige war um 17 Uhr in einem Treppenhaus in Wedding gefunden worden. Rettungssanitäter der Feuerwehr hatten ihn als „nur betrunken“ eingestuft, deshalb wurde er nicht in eine Klinik gebracht, sondern der Polizei übergeben. Gegen 18.45 Uhr traf er in der Gefangenensammelstelle in der Moabiter Kruppstraße ein. Doch auf die vorgeschriebene Verwahrfähigkeitsuntersuchung durch einen Mediziner wurde verzichtet, weil kein Arzt anwesend war. Diesen hatte über Stunden ein anderer Fall beschäftigt.

Robert W. wurde also in einer Zelle auf die Bank gelegt und nach Polizeiangaben alle zehn Minuten kontrolliert. Um 20 Uhr hörte ein Beamter den Mann noch schnarchen, um 20.09 Uhr war der Pole tot. Weder durch den Einsatz eines Defibrillators noch vom alarmierten Notarzt der Feuerwehr konnte W. reanimiert werden. Woran der Mann starb, soll eine Obduktion klären. Wie viel Promille W. hatte, ist unklar, „pusten“ musste er zuvor nicht. Die Polizei betonte, dass W. noch selbst gehen konnte – wenn auch gestützt durch Polizisten. Der Pole lebt in einem Wohnheim. Nachdem sich kürzlich seine Freundin von ihm getrennt hatte, war er mehrfach volltrunken von der Polizei aufgelesen worden.

2008 hatte es bereits einen ähnlichen Fall gegeben – denn für stark alkoholisierte Personen fühlen sich in Berlin weder Feuerwehr noch Krankenhäuser zuständig. „Keine Klinik hätte uns den Mann abgenommen“, hieß es bei der Feuerwehr. Denn der Mann habe keine Anzeichen einer Alkoholvergiftung gezeigt, sei nicht verletzt, aber ansprechbar gewesen. So etwas komme täglich Dutzende Male vor, hieß es. Üblicherweise werden Betrunkene dann der Polizei übergeben und entweder nach Hause begleitet oder in einer Zelle zur Ausnüchterung abgelegt. Im März 2008 war ein 68-Jähriger kurz nach Einlieferung in die „Gesa“ gestorben. Auch er war zuvor von der Feuerwehr als „nur betrunken“ eingestuft worden. In Hamburg gibt es als einziger Stadt in Deutschland eine „Zentralambulanz für Betrunkene“ (ZAB), die von der Feuerwehr geleitet wird. Die ZAB war 1974 gegründet worden – nach mehreren Todesfällen in Polizeizellen.

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