Altersgutachten kommen nicht voran : Erneut Kinder als Dealer aufgegriffen

Ein angeblich Zwölfjähriger ist gemeinsam mit einem 13-Jährigen als Dealer von der Polizei festgenommen worden. Ob die Altersangaben stimmen, ist noch nicht geklärt.

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„Kinder versteckten Heroin im Schnee“, hieß eine Pressemeldung der Polizei vom Freitagabend. An dieser Nachricht ist das erste Wort vermutlich falsch, denn um Kinder – angeblich 12 und 13 Jahre alt, wie es hieß – dürfte es sich nicht handeln. Einer der Dealer steht vielmehr dem Vernehmen nach auf einer internen Liste des Landeskriminalamtes. Bei den dort Genannten sind die Ermittler überzeugt, dass die „Kinder“ bedeutend älter und damit strafmündig sind. Alle stammen aus dem Libanon, alle wurden vielfach beim Rauschgifthandel erwischt. Wie berichtet, hatte die Polizei bei den beiden Jungen nahe dem als Drogenumschlagsplatz bekannten Weinbergspark in Mitte 25 Verkaufsportionen Heroin, mehrere Mobiltelefone und 700 Euro gefunden.

Diese Liste mit acht Namen hatte das Landeskriminalamt im Juli erstellt und bei der Justiz um eine Altersfeststellung gebeten. Im Sommer hatten die Kinderdealer Schlagzeilen gemacht. Mehrere von ihnen wurden beinahe täglich mit harten Drogen von der Polizei erwischt – und zurück in Kinderheime gebracht, aus denen sie Stunden später wieder verschwanden. Die „Kinder“ hatten einfach behauptet, erst 11, 12 oder 13 Jahre alt zu sein – wohl wissend, dass die deutsche Justiz ihnen dann nichts anhaben kann. Die „Kinder“ behaupteten weiter, aus dem Libanon zu stammen und keinen Ausweis zu besitzen. Da die Ermittler die Verdächtigen als kräftige junge Männer beschrieben, keimte bei der Polizei der Verdacht, an der Nase herumgeführt zu werden. Schon das erste medizinische Gutachten gab ihnen deutlich recht: Hassan El-F., der ebenfalls behauptete, 13 Jahre alt zu sein, ist tatsächlich 21, „möglicherweise sogar noch deutlich älter“, wie es im Gutachten heißt. Ein „krasser Fall“, staunte die Staatsanwaltschaft im Oktober. Daraufhin erließ ein Richter Haftbefehl, Hassan El-F. kam in U-Haft und nicht mehr in ein Kinderheim, aus dem er nach Zählung der Polizei zuvor 20 Mal abgehauen war.

Auch Ahmad El-Y. und Mohamad Al-M. hat die Polizei am Freitag in einem Lichtenberger Kinderheim abgegeben. Wo sie am Sonnabend waren, blieb unklar. Im Heim war kein Verantwortlicher zu erreichen. Wie berichtet, hatten Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Polizeipräsident Dieter Glietsch im Sommer geschlossene Heime für kriminelle Kinder gefordert. Im September hatte die Jugendverwaltung angekündigt, eine derartige „verbindliche Einrichtung“ mit fünf Plätzen zu schaffen. Fertig ist sie noch nicht.

Die Polizei setzt auf medizinische Altersgutachten, doch mit denen geht es nicht voran. Wie es in Ermittlerkreisen hieß, ist ein drittes Gutachten bereits seit Oktober fertig, demnach ist der untersuchte Nader El-M. nicht 12, sondern „15 bis 16“ – und damit ebenfalls strafmündig. Der zweite, am Freitag mit Heroin erwischte Junge hat übrigens den gleichen Nachnamen, die Familie soll führend im Drogenhandel von Wedding und Mitte sein. Am Montag will sich der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Vorgehen gegen kriminelle arabische Clans befassen.

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