Anklage wegen Totschlag : Dem Kind brutal in den Bauch geboxt

Der Prozess um den Tod eines zweieinhalb Jahre alten Jungen hat am Dienstag begonnen. Das Kind wurde Opfer des Lebensgefährten der Mutter.

von

Die Fälle sind furchtbar, sie ähneln sich sehr: Zoe, die nur 33 Monate alt wurde; Daniel, der mit 31 Monaten starb. Es waren Fausthiebe in den Bauch, die zum Tod führten. Der Mann, der Zoe aus Weißensee derart misshandelt haben soll, verweigerte vor Gericht die Aussage. Nur Tage später begann nun der Prozess um das Schicksal des kleinen Daniel. Der Lebensgefährte der Mutter sitzt auf der Anklagebank. Er übernahm Verantwortung. Doch ein Totschläger sei er nicht.

„Die Situation hat mich überfordert, ich boxte ihm in den Bauch“, gestand Mirko B. in einer Erklärung, die seine Verteidigerin verlas. Mirko B. ist ein muskulöser Mann von 26 Jahren, der zuletzt arbeitslos war. Er wohnte in Lichtenberg und soll die 20-jährige Mutter von Daniel über das Internet kennen gelernt haben. Sie zog im Frühjahr zu dem neuen Freund, hieß es. Kein halbes Jahr später war B. für ein paar Stunden allein mit Daniel.

Die junge Mutter wollte am Nachmittag des 3. September einige Besorgungen erledigen. Ab 13.10 Uhr war der Lebensgefährte allein mit ihrem zwei Jahre und sieben Monate alten Sohn. Der Angeklagte erklärte, der Kleine habe über heftige Bauchschmerzen geklagt. „Ich gab ihm Pflaumensaft, er aber übergab sich.“ Er sei mit dem Jungen ins Badezimmer, habe ihn geduscht und ihm schließlich den Bauch massiert. Als das Kind dennoch weinte, habe er die Nerven verloren. „Ich schäme mich“, so der Angeklagte. Es sei nicht mit Absicht geschehen, er habe Daniel „geliebt wie ein eigenes Kind“.

Laut Anklage aber soll er den Zweieinhalbjährigen „bewusst und zielgerichtet“ geboxt haben. Weil er sich „durch die Betreuung des Kindes gestresst fühlte“ und weil er sich aus Sicht der Ermittler „abreagieren“ wollte. Ein heftiger Faustschlag in den Bauch, ein Schlag ins Gesicht. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Ein gravierender Unterschied zum Fall Zoe ist die Reaktion der jungen Mutter: Als sie nach Hause kam, stellte sie schnell fest, dass mit Daniel etwas nicht stimmt. Sie alarmierte gegen den Willen von B. Hilfe. Die Ärzte stellten schwere innere Verletzungen, darunter einen Darmriss, sowie Hämatome fest. Retten konnten sie den Jungen nicht. Er starb vier Tage nach der Misshandlung. Die Version eines Sturzes von einer Schaukel auf dem Spielplatz bezweifelten die Mediziner. Sie schalteten die Polizei ein. Eine Woche nach dem Übergriff wurde B. abgeführt. Er befindet sich seitdem in Haft.

Die Mutter von Daniel, 20 Jahre alt, sitzt ihrem damaligen Lebensgefährten nun als Nebenklägerin gegenüber. Aussagen wird sie vermutlich erst an einem der nächsten Verhandlungstage. Sie hatte sofort auf die Leiden ihres kleinen Sohnes reagiert und Hilfe geholt. Anders die Mutter von Zoe. Für das Mädchen gab es trotz höllischer Schmerzen keine medizinische Hilfe. Nach drei Tagen starb sie. Ihre 27-jährige Mutter steht seit Freitag wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht. Melanie S. wird sich eventuell heute zu den Vorwürfen äußern. Ihr Lebensgefährten, der Zoe laut Anklage geboxt und Melanie S. dann überredet habe, nicht zum Arzt zu gehen, muss sich wegen Mordes verantworten. 

13 Kommentare

Neuester Kommentar