Anschläge auf Autos : Flammen am Straßenrand

Es ist weiter kein Ende der Serie von Brandstiftungen gegen Autos in Sicht. Viele Anwohner sind verängstigt - politische Motive können sie nicht erkennen.

Sebastian Rothe
Ausgebranntes Auto
Fast schon Alltag: In diesem Jahr hat der Staatsschutz 70 politisch motivierte Brandanschläge auf Autos registriert. -Foto: dpa

Der „Volxsport“, wie die Linksautonomen es nennen, geht offenbar weiter: Auch in der Nacht zu Montag brannte wieder ein Mercedes SLK am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg. Die Flammen griffen wie so häufig auf einen daneben stehenden BMW über.

Vor dem G-8-Gipfel hatten die Linksautonomen zu einem „Wettbewerb“ aufgerufen, bei dem das Autoabfackeln acht Punkte und „Glasbruch“ drei Punkte bringen. Doch auch zweieinhalb Wochen nach dem Treffen in Heiligendamm gehen in Berlin immer noch Fahrzeuge in Flammen auf. In diesem Jahr hat der Staatsschutz bereits 70 Brandanschläge auf Autos registriert.

Mittlerweile gibt es sogar eine Internetseite (www.brennende-autos.de) mit einer digitalen Karte, anhand der sich jeder ein genaues Bild über Tatort, Tatzeit und Automarke machen kann. Schwerpunkt der Brandanschläge ist mit Abstand der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg: vor allem rund um den Mariannenplatz, die Köpenicker Straße sowie der Friedrichshainer Nordkiez zwischen Bersarinplatz und S-Bahnhof Frankfurter Allee. Dort setzt die Polizei mittlerweile verstärkt uniformierte und Zivilstreifen ein.

Auf den ersten Blick sieht es in den betroffenen Gebieten nicht so aus, als hätten die Halter neuerer hochpreisiger Autos diese Hals über Kopf in Sicherheit gebracht. Noch immer stehen solche Wagen am Straßenrand. Die Nachfrage nach sicheren Auto-Abstellflächen, wie sie Volker Hartig vom Wohnungsbauunternehmen Gewobag anbietet, sei jedenfalls nicht gestiegen, sagt er.

Die Fahrerin eines blank polierten silbergrauen Mercedes der E-Klasse in der Kreuzberger Waldemarstraße zuckt nur mit den Schultern. Natürlich habe sie Angst um ihr Auto, aber: „Was soll ich denn machen?“ Diesen Satz hört man immer wieder von Anwohnern. So auch von einem Golf-Fahrer in der Liebigstraße – einem beliebten Terrain zum Autoabfackeln. Man sei in der Nachbarschaft wütend auf die Brandstifter und habe Angst, dass der Kiez „langsam vergammelt“.

Stefano, Betreiber eines Spätkaufs in der Rigaer Straße, kann die politischen Motive bei den Brandstiftern nicht erkennen. Die Linken seien ja selbst gegen das Anzünden der Autos, sagt er.Das kann eine Frau aus der Rigaer Straße nicht bestätigen. Vor zirka zwei Wochen hatten sie und ihre Nachbarn ein Flugblatt aus dem „subkulturellen Untergrund“ im Briefkasten. Unter dem Motto „Warum brennen eigentlich so viele Autos?“ wurde über Ziele und Hintergründe der nächtlichen Aktionen aufgeklärt. Man wolle, so konnte man lesen, den Kiez für Reiche unattraktiv machen und so gegen die Verdrängung Alteingesessener kämpfen. Weiter heißt es: „Auch um die Gegend für Spekulanten und Investoren zum Risikokapital zu machen, werden teure Autos verbrannt.“ Anbei entschuldigten sich die Schreiber im Namen der Autonomen für eventuelle Schäden an Kleinwagen. Diese seien, so heißt es, niemals mit Absicht zerstört worden. Die Anwohnerin aus der Rigaer Straße kann darüber nur den Kopf schütteln. „Arrogant und selbstherrlich“, so lautet ihr Urteil. Zwar teile sie hinsichtlich der zunehmenden Verdrängung in ihrem Kiez in gewisser Weise die Befürchtungen der Autonomen, aber durch die Brandanschläge würden auch Leute terrorisiert, die „seit Jahren hier wohnen und nun aus Angst wegziehen“. So hatten sie und ihre Mitbewohnerin regelrecht Panik bekommen, als direkt vor ihrem Haus Ende März ein Auto brannte. Ein Anwohner der Bänschstraße zeigt dagegen Verständnis für die Motive der Brandstifter. „Wie soll man sich denn sonst gegen die steigenden Mieten wehren?“ Das Anzünden teurer Autos hält er aber für die falsche Methode. „Die Bonzen kriegen ohnehin alles von der Versicherung wieder!“

Inwiefern die Besitzer ausgebrannter Autos mit einer Entschädigung von ihrer Kfz-Versicherung rechnen können, ist jedoch unklar. Wie ein Sprecher der Allianz-Versicherung sagt, sind nur Vollkaskoversicherte im Fall von Vandalismus geschützt und bekämen daher eine Entschädigung. Die Teilkaskoversicherung dagegen zahlt nicht für Vandalismus, wohl aber für Brandschäden. Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät deshalb Betroffenen mit Teilkasko, zu einer Verbraucherberatung zu gehen, falls die Versicherung sich weigert zu zahlen.

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