Antisemitismus : Attacke auf jüdische Schüler: Zwei Täter in U-Haft

Zum Übergriff auf Berliner Schüler der Jüdischen Oberschule in Mitte werden zwei Tatverdächtige verhört. Ein Rechtsextremismus-Experte ist nicht überrascht, dass die Täter aus der Punkszene kommen.

Johannes Radke

Nach dem antisemitischen Übergriff auf Schüler der Jüdischen Oberschule am Mittwochnachmittag hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Tat scharf verurteilt. „Ich bin froh, dass es Zeugen des Vorgangs gegeben hat, die die Polizei gerufen haben“, sagte er. Nur so sei eine schnelle Festnahme der Täter möglich gewesen. Der Mut der Zeugen sei ein Stück Zivilcourage, wie sie der Kampf gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus immer wieder erfordere. Wowereit betonte, er sei angesichts der deutschen Geschichte dankbar, dass „sich in unserer Mitte wieder jüdisches Leben entfaltet“. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, forderte, die Täter müssten „schnell einer Verurteilung zugeführt werden“. Die Tat zeige, „dass die Gewaltbereitschaft auch unter inländischen Tätern in Deutschland hoch ist“.

Der Vorfall ereignete sich in der Großen Hamburger Straße in Mitte. Die fünf Schüler zwischen 15 und 17 Jahren befanden sich auf dem Heimweg, als sie plötzlich von einer Gruppe von Punks als „Scheißjuden“ und „Drecksjuden“ beschimpft und attackiert wurden. Anschließend hetzten die vier Angreifer einen ihrer Hunde auf die Schüler. Das Tier verfolgte einen 15-jährigen Jungen bis zu einer nahe gelegenen Bäckerei. Dort konnte sich das Opfer in Sicherheit bringen. Die Schüler blieben unverletzt. Die von Zeugen alarmierte Polizei konnte die Täter noch am Tatort vorläufig festnehmen. Der 27-jährige Florian F. und ein 31-Jähriger wurden in einer Gegenüberstellung als Haupttäter wiedererkannt. Gestern Abend wurde gegen sie Haftbefehl verhängt. Der Hund wurde in ein Tierheim gebracht. Die beiden Täter kommen nach Informationen des Tagesspiegel aus der Obdachlosenszene. Florian F. ist bei der Polizei bereits bekannt.

„Richtig überrascht hat mich dieser Vorfall nicht“, sagt Rechtsextremismusexperte Toni Peters vom antifaschistischen Pressearchiv. Es gebe in der weitläufigen und unterschiedlichen Punkszene einen sehr kleinen Teil, der die Punkattitüde mit Diskriminierung verwechsele und politisch rechts eingestellt sei. „Solche Leute sind aber im übergroßen Teil der Punkszene sehr unbeliebt“, fügt Peters hinzu.

Die Jüdischen Oberschule wurde von dem Vorfall überrascht. Die Schüler waren laut einer Sprecherin vom Äußeren her nicht ihrem Glauben zuzuordnen. Der Angriff habe völlig unvermittelt stattgefunden. Die Jüdische Oberschule ist eine konfessionsgebundene Privatschule, die aber von Schülern aller Religionen und Konfessionslosen besucht werden kann.

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