Attacke auf Polizisten : Messerstecher kommt in Psychiatrie

Update Nach dem Angriff auf einen Polizisten in Charlottenburg wird der 30-jährige Tatverdächtige in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Der Fall hat die Diskussion um den Schutz der Beamten im Dienst neu entfacht.

BerlinDer Mann, der am Dienstag einen Polizisten in Charlottenburg niedergestochen haben soll, ist am Mittwoch in einer Psychiatrie untergebracht worden. Der bislang nicht vorbestrafte Erkan Ö. (30) soll laut Staatsanwaltschaft seit mehreren Jahren an einer psychischen Erkrankung leiden. Der Zustand des verletzten Polizeikommissars ist stabil. Eine Schutzweste hatte der 42-jährige Patrick G. nicht getragen – obwohl er laut Polizeibehörde wie jeder, der im „operativen Dienst“ tätig ist, eine solche besitzt. „Die Routine ist der Feind der Eigensicherung“, sagte ein Ermittler. Eine Vorschrift, dass Polizisten ihre Schutzweste immer tragen müssen, gibt es nicht. Sie wird „nach eigenem Ermessen und der Lage angepasst“ getragen, sagte Bodo Pfalzgraf, Sprecher der Deutschen Polizeigewerkschaft. Innerhalb der Behörde wird nun wieder über den Schutz von Polizisten diskutiert – gerade auch vor dem Hintergrund des Attentats in Passau, wo ein Polizeichef offenbar von einem Neonazi vor seinem Haus niedergestochen wurde.

Wie berichtet, arbeitet Patrick G. als Zivilstreifenbeamter des Zentralen Verkehrsdienstes. Am Dienstag wurde er als Verstärkung in die Sophie-Charlotten-Straße gerufen, um zwei mutmaßliche Diebe zu stellen. Einer von beiden hatte sich in einer Wohnung versteckt, dem anderen gelang die Flucht. Von ihm fehlt noch jede Spur. Als Patrick G. mit seinen Kollegen in die Wohnung stürmte, soll ihm Erkan Ö. fünfmal ein Messer in den Oberkörper gerammt haben. Erfahrene Fahnder berichteten dem Tagesspiegel, dass die Standard-Westen, die von der Behörde geliefert werden, „zu unbequem und schwer sind, wenn man sie zwölf Stunden am Stück trägt“. Im Einsatz, wenn es schnell gehen muss, vergäßen viele Beamte, ihre Weste rasch anzulegen. Oder sie unterschätzten bei einem vermeintlichen Routineeinsatz die Gefahr. Pfalzgraf kritisierte, dass die flächendeckende Ausstattung mit Schutzwesten nur in der Theorie bestehe. Zudem schaffe es nicht jeder Beamte, seine Weste individuell anpassen zu lassen.

Neun Angriffe pro Tag auf Polizisten

Neunmal pro Tag werden laut Pfalzgraf in Berlin Polizeibeamte angegriffen – drei davon würden auch verletzt. Immer häufiger gebe es gegen Polizisten auch gezielte Attacken: Jüngstes Beispiel ist der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl. Auch in Berlin leben hochrangige Polizisten gefährlich. Beispielsweise der Chef der Direktion 6, Polizeidirektor Michael Knape. Rigoros greift er gegen rechte Gewalttäter durch. Neonazis wollten im Jahr 2004 vor seinem Haus demonstrieren, in der Umgebung wurden hetzerische Steckbriefe gefunden. Polizeipräsident Dieter Glietsch wird bei bestimmten Anlässen von Personenschützern begleitet. Ob auch die Berliner Direktionsleiter begleitet werden, dazu gibt die Behörde keine Stellungnahme ab.

Nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef fordert die Berliner CDU-Fraktion nun, dass Glietsch sein Vorhaben, in Berlin alle Polizisten mit Namensschildern zu kennzeichnen, aufgibt. Beamte würden dadurch für Gewalttäter zu „Freiwild“ gemacht, sagte Innenexperte Kurt Wansner.

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