Attacke auf US-Bürger : Als "Nigger" beschimpft und verprügelt

Polizeibeamte sahen in dem Übergriff auf einen US-Bürger in Spandau zunächst kein fremdenfeindliches Motiv. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Sandra Daßler

„Sie haben mich als Nigger beschimpft, es war eindeutig Rassismus“, sagt Antoine I. aus Spandau. Der US–Amerikaner war in der Nacht zum Sonnabend von vier Männern in der Seegefelder Straße nahe am Spandauer Bahnhof brutal zusammengeschlagen und -getreten worden. Seine 27-jährige Freundin wurde beleidigt und zu Boden gerissen.

Die Polizei hatte den Vorfall zunächst anders gewertet. Sie teilte zwar mit, dass ein „Pärchen angegriffen“ und dass der Mann „aufgrund seiner Hautfarbe“ beleidigt worden sei, aber „Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat liegen nicht vor.“

Der offensichtliche Widerspruch fiel nicht nur Journalisten auf. Polizeipräsident Dieter Glietsch ordnete eine „Neubewertung“ des Vorfalls an. Wenige Stunden später teilte die Polizei mit, dass nun der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen habe, weil ein fremdenfeindlicher Hintergrund der Tat zumindest nicht ausgeschlossen sei.

Auch Spandauer Politiker taten sich zunächst schwer damit, den Vorfall als rassistisch zu bewerten. „Zumindest handelte es sich nicht um typische rechtsradikale Schläger“, sagte Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU): „Wie ich gehört habe, sollen zwei der Täter selbst einen Migrationshintergrund haben.“

„Das schließt doch ein rassistisches Motiv nicht aus“, meint hingegen das Opfer Antoine I. „Die Schläger sind Berliner, sie wohnen in Spandau und sie sind auf mich losgegangen, weil ich dunkelhäutig bin.“ Der aus Baltimore im US-Bundesstaat Maryland stammende Barkeeper hatte in der Tatnacht seine Freundin nach Hause begleiten wollen. „Die jungen Männer standen vor einem Haus“, erzählt er, „und waren offenbar auf Randale aus. Sie beleidigten meine Freundin mit unflätigen Ausdrücken, warfen Bierflaschen nach uns und verfolgten mich. Einer – er war ganz in Weiß gekleidet – zog seinen Gürtel aus der Hose und drosch mit den Worten: ,Lasst uns den Nigger fertigmachen’ auf mich ein. Als ich stolperte und mitten auf die Fahrbahn fiel, schlugen und traten sie mich – bis plötzlich ein Auto kam. Ich habe versucht, es anzuhalten, um Hilfe gerufen, aber der Fahrer hat Gas gegeben und ist vorbeigefahren. Dann haben sie wieder auf mich eingedroschen, meine Brille ging kaputt, ich konnte nichts mehr sehen. Und immer beschimpften sie mich als dreckigen Nigger.“

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den vier Angreifern um den 19-jährigen Deutschen Benjamin H., seinen 17-jährigen Bruder Sebastian, den 16-jährigen Deutsch-Türken Morat I. und den 17-jährigen Portugiesen Fernando F. Alle vier sind der Polizei wegen verschiedener Straftaten wie Raub und Diebstahl bekannt, allerdings bislang nicht wegen Staatsschutzdelikten. Sie wurden nach der Festnahme erkennungsdienstlich behandelt und sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung ermittelt.

Spandaus Bezirksbürgermeister Birkholz forderte eine strenge Bestrafung der Täter und bestätigte Angaben der Polizei, wonach die Gegend um den Bahnhof seit längerem „etwas auffälliger“ als andere Bereiche in Spandau sei. Spandaus Sozialstadtrat Martin Matz (SPD) sprach von einem Einzelfall. Trotzdem müsse man sich mit fremdenfeindlichen Vorgängen in Spandau auseinandersetzen.

Das ist bitter nötig, findet das Opfer Antoine I., der seit 1995 in Spandau lebt. Er beobachtet schon seit sechs, sieben Jahren, dass sich im Kiez „ein Klima von Hass vor allem unter jungen Leuten“ breit mache. „Spätestens seit Sonnabendnacht glaube ich den Politikern nicht mehr, wenn sie sagen, dass Spandau sicher sei“, sagt er. Und fügt hinzu: „Um mich habe ich keine Angst. Aber um meine drei Kinder.“

Eine Anwohnerin hatte die Polizei alarmiert, die wenig später die mutmaßlichen Täter festnehmen konnte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben