Auto mit Wasser bespritzt : Fußgänger als Verkehrsrowdy verurteilt

Der Fall begann, wie so oft im Straßenverkehr, mit Rechthaberei. Ein Autofahrer und ein Fußgänger geraten aneinander, am Ende wird der Autofahrer von seinem eigenen Wagen überrollt. Das Gericht sah die Schuld beim Fußgänger.

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Der Ingenieur auf der Anklagebank rieb sich nachdenklich das Kinn. Er hätte um Verzeihung bitten können. Doch Michael H. fühlte sich im Recht, wie im April, als er in Mitte über die Stresemannstraße spazieren wollte. Weil ein Auto erst kurz vor ihm zum Stehen kam, ging er laut Anklage mit seiner Wasserflasche zum Angriff über. Das Nass spritzte über die Windschutzscheibe und ins Gesicht des Fahrers. Der verließ in Panik sein Automatik-Fahrzeug, kam ins Straucheln und wurde vom eigenen Wagen überrollt.

Der Fall begann – wie so oft im Straßenverkehr – mit Rechthaberei. „Als ich über die Straße gehen wollte, war da kein Auto“, sagte der damalige Passant. Michael H., 46 Jahre alt und ein gut verdienender Mann aus dem Maschinenbau, war mit seiner Frau im Urlaub. Das Paar aus dem Rheinland wollte vom Potsdamer Platz zum Checkpoint Charlie. „Plötzlich kam der Wagen auf mich zu, bremste abrupt“, sagte der Ingenieur. Er sei stark erschrocken. „Ich riss aus Reflex die Hand hoch, es können nur ein paar Tropfen verschüttet worden sein.“ Ganz ohne Absicht.

Das aber haben der Autofahrer und neutrale Augenzeugen anders in Erinnerung. Ulf K., ein Jurist von 67 Jahren, wollte von der Niederkirchnerstraße links in die Stresemannstraße einbiegen. „Ich fuhr langsam um die Ecke, sah plötzlich einen Mann mit einer Flasche, er drohte damit, kam zum geöffneten Fenster und spritzte“, schilderte er. Fluchtartig wollte der Fahrer eines VW Touareg aus dem Auto. Er wusste nicht, was er ins Gesicht bekommen hatte. Es hätte Säure sein können. Ulf K. fiel auf die Straße. Das Auto hatte er nicht gesichert. Es rollte langsam über seinen linken Oberschenkel. Der Jurist erlitt Prellungen und Quetschungen.

„Der Fußgänger hat das Wasser bewusst verteilt“, bestätigten auch Zeugen. Der Staatsanwalt fasste zusammen: „Er wollte ihn aus Ärger nass machen.“ H., ein ruhig wirkender Mann ohne Vorstrafen, sei grundlos ausgetickt. Eine derartige Attacke auf einen Autofahrer sei ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Der Angeklagte sah es nicht ein. Er sei derjenige gewesen, der Angst bekommen habe. Den Schreck glaubte ihm die Richterin. Seine Reaktion darauf beurteilte sie wie der Staatsanwalt: H. spritzte absichtlich. Das Urteil: 7800 Euro (60 Tagessätze zu je 130 Euro) Strafe.

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