Baby erstickt : Drei Jahre Haft für Mutter

Sie handelte in einer Ausnahmesituation, aber doch einem Plan folgend: Drei Haft ergingen für die Mutter, die ihren Jungen unmittelbar nach der Entbindung erstickte. Sie selbst hatte auf einen Freispruch gehofft.

von

Der Tod des Kindes war aus Sicht der Richter kein Unfall. Julia K. habe ihr Baby nach der heimlichen Geburt in der Wohnung ihrer Eltern in Karow erstickt. Einem „spontanen Entschluss folgend, um die ungewollte Schwangerschaft weiter zu verbergen“, urteilte das Gericht. Die 24-jährige Studentin wurde des Totschlags schuldig gesprochen. Weil sie sich in einer Überforderungssituation befand, liege allerdings ein „minderschwerer Fall“ vor. Drei Jahre Gefängnis ergingen. So hatte es auch der Staatsanwalt beantragt. Julia K. dagegen hoffte auf Freispruch.  

Zehn Wochen wurde vor dem Landgericht gestritten. Julia K., die bei der Polizei noch ein umfassendes Geständnis mit vielen Details abgelegt hatte, bestritt im Prozess eine absichtliche Tötung und berief sich auf ein Unglück. Sie habe noch nicht mit einer Geburt gerechnet, sie habe „nur noch mechanisch gehandelt“, sei ohnmächtig geworden. „Als ich zu mir kam, lag ich mit dem Oberschenkel auf dem Kind“, erklärte sie. Mit dieser und anderen Versionen habe sie sich „immer weiter von strafrechtlicher Verantwortung entfernen wollen“, hieß es im Urteil.

Als in der Nacht zum 10. Dezember 2012 die Wehen einsetzten, nahm sie ihr Handy und begann intensiv zu googeln. „Alleine entbinden zu Hause“ gab sie ein und „wann weiß man, dass man pressen darf?“ Aus dem Suchprotokoll ging aber auch hervor, dass sie nach „Babyklappe Berlin“ forschte. Es gab für Julia K. Wege aus der unerwünschten Situation. Sie, die behütet aufgewachsen war, hätte sich ihrer Familie offenbaren können. „Sie hatte nichts zu befürchten“, so die Richter.

Die damalige Studentin für Sicherheitsmanagement, deren Ex-Freund sich per SMS getrennt hatte und von der Schwangerschaft nichts wusste, schämte sich aus Sicht des Gerichts. Ein Kind ohne Partner sei ihr unangenehm gewesen. Sie biss auf ein Stofftier und gebar ohne Hilfe einen 3700 Gramm schweren Jungen, „der in relativ guter Gesundheit zur Welt kam“. Nur Minuten lebte er. „Sie drückte kräftig die Bettdecke auf das Gesicht des Kindes, drei bis fünf Minuten hielt sie den Druck.“ Der Vater der Angeklagten hatte den toten Säugling Stunden später im Zimmer der Tochter entdeckt.

10 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben