Bandenkrieg : Nach Mord an Rocker Racheakte befürchtet

UPDATE In Wartenberg ist ein 33-Jähriger durch Schüsse aus einem vorbeifahrendem Auto getötet worden. Möglicherweise wurde Michael W. sein Wechsel von den Hells Angels zu den Bandidos zum Verhängnis.

Claus-Dieter Steyer
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Rockerkrieg in Berlin. Polizeibeamte sichern das Gelände rund um ein Hochhaus an der Egon-Erwin-Kisch-Straße in Hohenschönhausen....Foto: dpa

Ein polizeibekannter Rocker ist am frühen Freitagmorgen in Hohenschönhausen ermordet worden. Etwa um Mitternacht schossen Unbekannte auf den 33-jährigen Michael B. in der Ernst-Barlach-Straße in Wartenberg. Eine deutlich sichtbare Blutspur zog sich in die Egon-Erwin-Kisch-Straße, rund 300 Meter hatte sich der Verletzte offenbar geschleppt, um sich vor den Tätern in Sicherheit zu bringen. Am Ende verblutete B. in seinem Kiez, in dem er als Motorrad-Fan bekannt war. Anwohner hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei. Zwei junge Männer fanden den am Boden liegenden Rocker. Der Notarzt konnte nur den Tod feststellen.

Bei einer noch am Freitag durchgeführten Obduktion ist eine Schuss– und eine Stichverletzung festgestellt worden. Es wird davon ausgegangen, dass der Mord im Zusammenhang mit Konkurrenzkämpfen zwischen den verfeindeten Motorradklubs Hells Angels und Bandidos stehe. Gerüchte, wonach das Opfer ein Ex-Mitglied der Hells Angels sei, das sich den Bandidos angeschlossen hatte, konnten nicht bestätigt werden. Nach Berichten von Nachbarn hatte sich B. von den Hells Angels getrennt. Es könnte sich um Rache an einem Abtrünnigen handeln.

Für die Tat gebe es noch keine Zeugen, hieß es von der Polizei. Denkbar sei, dass der Mann aus einem fahrenden Auto heraus erschossen worden ist. Anwohner hatten zuvor einen Kleinbus gesehen. Eine Mordkommission und Spezialisten für organisierte Kriminalität ermitteln. Möglicherweise soll eine Sonderkommission gebildet werden. Der Tatort war noch in der Nacht weiträumig abgesperrt worden. Polizisten nahmen am Freitagmorgen die Harley des Opfers mit.

„Seine knatternde Harley war nicht zu überhören“, erzählte eine Nachbarin. „Er nahm wenig Rücksicht auf die Nachbarn und drehte hier zu allen Tag- und Nachtzeiten seine Runden.“ Jeder habe gewusst, dass er zu den Hells Angels gehört habe. „Er fuhr oft mit freiem Oberkörper, jeder sah seine Tätowierungen“, sagte ein junger Mann aus seinem Wohnhaus, „fast nie setzte er einen Helm auf.“ B. hatte in einem nahen Jugendklub im Kraftraum gearbeitet. Deutlich wurde am Freitag die Angst vor Rockern, die meisten Anwohner kannten Michael B., wollten aber kaum über ihn sprechen. Seine Freundin arbeitete in der Bäckerei eines nahen Supermarkts, war gestern aber nicht anzutreffen.

Zahlreiche Rocker pilgerten noch Freitagabend zum Tatort. Die Polizei will nun Racheakte verhindern. Für die Rocker sei klar, „in welchen Reihen der Täter zu suchen ist“, sagte Rolf Kaßauer, Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Er warnte vor bundesweiten Vergeltungsaktionen. Ein Toter in der gewaltbereiten Szene sei nur eine Frage der Zeit gewesen. Die Polizei müsse eine Eskalation des „Rockerkrieges“ verhindern, sagte Kaßauer. Die Banden streiten um Einfluss im Türsteher- und Rotlichtmilieu. „Wer als Deutscher keiner Mafiafamilie angehört, aber in kriminellen Kreisen mitmischen will, muss sich einer Motorradgang anschließen, sonst macht ihn die Konkurrenz platt“, sagte ein Szenekenner. Die Rockerbanden seien die einzigen, die sich in Berlin etwa mit libanesischen Großfamilien anlegten. Beide konkurrieren um Drogenhandel und Schutzgelder.

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