Bandenkrieg : Polizei störte Rockerparty

Nach der brutalen Attacke beim Streit zwischen zwei Rockerbanden kontrollierten Beamte am Sonnabend 200 Gäste im Bandidos-Vereinsheim.

Tanja Buntrock

Der angebliche Waffenstillstand zwischen den rivalisierenden Rockerbanden in Berlin und Umgebung ist beendet. Das zeigen die blutigen Vorfälle der vergangenen Wochen. Die Polizei ist offenbar in höchster Alarmbereitschaft: Um etwaige Racheaktionen schon im Vorfeld zu verhindern, wurden am Sonnabend die Teilnehmer einer Rockerparty in Gesundbrunnen kontrolliert.

Rund 140 Beamte überprüften knapp 200 Mitglieder des Clubs „Bandidos MC Eastgate“ in deren Vereinsheim in der Provinzstraße. Die Rocker feierten dort den achten Jahrestag ihres Bestehens. Die Polizisten fanden einen mit Haftbefehl gesuchten Mann sowie Waffen und Drogen.

Zu der Feier waren nicht nur hier ansässige Mitglieder geladen, sondern auch Unterstützer und Freunde aus Berlin und dem umliegenden Bundesgebiet. Doch jeder, der aufs Gelände wollte, musste zunächst eine von der Polizei eingerichtete Kontrollstelle passieren. Die Beamten durchsuchten Fahrzeuge und Gäste: Neben verbotenen Waffen und sonstigen Gegenständen erwischten sie auch einen 42-Jährigen, der wegen einer nicht gezahlten Geldstrafe per Haftbefehl gesucht wurde. Zudem stellten die Beamten während des Einsatzes zwei Motorräder sicher.

Erst am Freitag hatte die Polizei das Clubhaus der Bandidos in der Residenzstraße kontrolliert, nachdem es kurz zuvor eine Schlägerei unter Mitgliedern des Rockermilieus in Wedding gegeben hatte: Dabei war ein 22-Jähriger leicht verletzt worden.

Der Waffenstillstand der im kriminellen Milieu konkurrierenden Banden, wenn es ihn denn überhaupt gab, war nach einer brutalen Attacke auf „Hells Angels“-Mitglieder am vorigen Wochenende in Brandenburg beendet worden. Einem Opfer musste sogar ein Bein amputiert werden. Nun rechnen die Ermittler des für „Organisierte Kriminalität“ zuständigen Dezernats beim Landeskriminalamt offenbar täglich mit möglichen Racheaktionen. Beide Gruppen kämpfen seit Jahren in der Region um die Vorherrschaft im kriminellen Milieu: Vorwiegend geht es um Drogenhandel, Schutzgeld, Waffen und Prostitution.

So richtig getraut haben die Ermittler dem angeblichen Frieden, der Anfang des Jahres zwischen den Clubpräsidenten beider Banden geschlossen worden war, wohl nie. Denn trotz interner Absprachen expandierten die Bandidos immer weiter, indem sie eine Vielzahl an Nachwuchs rekrutierten. Als Reaktion darauf wurde Anfang Juni das Clubhaus der Chicanos – sie sind Unterstützer der Bandidos – im brandenburgischen Ludwigsfelde kurz und klein geschlagen. Offiziell sind die Täter unbekannt. Auch die Chicanos schwiegen gegenüber der Polizei. In der Rockerszene gehört es zum Ehrenkodex, den Ermittlern nichts zu sagen. Die Dinge werden „untereinander geregelt“, wie es bei der Polizei hieß.

Die blutige Revanche folgte wenig später: Zunächst deutete alles auf einen Autounfall hin, als am vorigen Wochenende Anwohner unweit der Autobahnabfahrt Eberswalde Schreie hörten. Sie sahen zudem ein Auto mit Berliner Kennzeichen davonrasen. In einem demolierten Wagen an der Abfahrt saßen vier Verletzte – darunter auch der Präsident der Hells Angels Nomads und drei Mitglieder.

Doch wie die Ermittlungen ergaben, waren die Männer keineswegs Opfer eines Autounfalls geworden, sondern einer brutalen Attacke: Einer der Insassen hatte mit einem Beil einen Hieb ins Bein erhalten. Wie aus Polizeikreisen zu hören war, sei das Bein trotz Operationen nicht mehr zu retten gewesen und musste amputiert werden. Spätestens nach dieser Attacke rechnet die Polizei damit, dass die nächste Racheaktion nicht lange auf sich warten lässt – und möglicherweise noch brutaler ablaufen soll.

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