Update

Banküberfall in Berlin-Zehlendorf : Geiselnehmer: Planlos mit einer Tasche voll Mehl

"Er hat sich vorher nicht so viele Gedanken gemacht." Der Bank-Geiselnehmer in Zehlendorf ließ sich offenbar fast spontan zu dem Überfall hinreißen, der erst am frühen Samstagmorgen unblutig beendet werden konnte. Die angebliche Bombe und die Pistole des 29-Jährigen stellten sich als harmlos heraus.

In einer ersten Befragung hat der Geiselnehmer von Zehlendorf angeblich Schulden als Motiv angegeben. Foto: dpa
In einer ersten Befragung hat der Geiselnehmer von Zehlendorf angeblich Schulden als Motiv angegeben.Foto: dpa

Der Plan war einfach: In eine Bank gehen, eine Kontoeröffnung vortäuschen, dann Geld erpressen und drei Tage vor Weihnachten mit großer Beute fliehen. Doch dieser Plan eines 29-Jährigen aus Wolfsburg gipfelte in einem fast zehnstündigen Geiseldrama samt Bombendrohung, das erst am frühen Samstagmorgen unblutig beendet werden konnte. Für Samstagabend wurde der Haftbefehl gegen den 29-Jährigen wegen erpresserischen Menschenraubes erwartet, wie Oberstaatsanwalt Jörg Raupach am Samstag auf einer Pressekonferenz sagte. Das Motiv blieb zunächst unklar, der Mann sei wohl verschuldet und zuvor schon häufiger in Berlin gewesen.
13 Stunden, nachdem die Geisel frei und der Täter festgenommen waren, informierten Polizei und Staatsanwaltschaft über den Verlauf und die ersten Ermittlungsergebnisse. Nach 15.30 Uhr hatte der Mann demnach am Freitag eine Filiale der Deutschen Bank in Zehlendorf betreten, in der er bereits am Vortag gewesen war. Offenbar hatte er die Tat am Donnerstag geplant.

Der Mann habe eine Schreckschusspistole bei sich gehabt und eine blaue Sporttasche, deren Inhalt er als Bombe deklarierte. Sie war - wie sich später herausstellte - mit drei Kilogramm Mehl gefüllt. Er ließ sich von einem 40 Jahre alten Bankmitarbeiter, der späteren Geisel, zu einem Beratungstisch führen, um angeblich über eine Kontoeröffnung zu sprechen. Doch dann verlangte er 100 000 Euro, zeigte dabei seine Pistole. „Er hatte gedacht, er würde genügend Druck in der Bank aufbauen können, um dann mit einer erklecklichen Summe das Gebäude zu verlassen“, schilderte der Einsatzleiter aus der späteren Aussage des Festgenommenen.

Geiselnahme in Zehlendorf
Dieses Bild entstand, noch bevor die erlösende Nachricht kam: Gegen 1:30 Uhr am Sonnabendmorgen gelang es der Polizei, eine Geiselnahme in Zehlendorf unblutig zu beenden. Foto: Weitere Bilder anzeigen
1 von 12
21.12.2012 19:10Dieses Bild entstand, noch bevor die erlösende Nachricht kam: Gegen 1:30 Uhr am Sonnabendmorgen gelang es der Polizei, eine...

Doch es kam anders: Der Bankmitarbeiter reagierte geistesgegenwärtig und rief den Filialleiter an, da er das bei solchen Summen tun müsse. Dieser rief die Polizei an und alarmierte die übrigen Bankmitarbeiter, die das Gebäude daraufhin verließen. Als der Täter erkannte, dass die Polizei umgehend eingeschaltet worden war, forderte er zügig erst eine halbe Million Euro und dann eine Million für die Freilassung des 40-Jährigen.

Während der fast zehn Stunden bis zur Aufgabe habe er die Geisel „sehr anständig“ behandelt, sagte Einsatzleiter Jochen Sindberg. Er habe stets betont, dass er dem Mann nichts antun wolle. Im Verlauf der Verhandlungen habe der Geiselnehmer auch signalisiert, „dass er selber mit der Situation nicht so glücklich ist“. Auch daher gab er schließlich auf. Nach Angaben des neuen Berliner Polizeipräsidenten Klaus Kandt war es die erste Geiselnahme in Berlin seit 2003.

Der als Geisel genommene Bankangestellte sei „relativ gefasst und stabil“ und werde psychologisch betreut. Der Täter habe ihn gut behandelt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft muss der Geiselnehmer mit einer Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs rechnen. Darauf stehen mindestens fünf Jahre Haft. (dpa)

7 Kommentare

Neuester Kommentar