Baustreit : Anwohner klagen gegen Neubau am Olivaer Platz

Während die Kleingärtner den Abriss der Laubenkolonie Württemberg in Wilmersdorf nicht verhindern konnten, klagen nun die Anwohner gegen die Bebauung des Geländes. Dabei erhalten sie Unterstützung von ihren ehemaligen Nachbarn.

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Monate nach dem umstrittenen Abriss der Kleingartenkolonie Württemberg könnte die Neubebauung des Areals doch noch platzen. Am 25. August verhandelt das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eine Klage von Anwohnern des Olivaer Platzes gegen den Bebauungsplan des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Laubenpieper selbst waren im vergangenen Herbst vor dem Landgericht gescheitert, das die Kündigung ihrer Pachtverträge für rechtens erklärte. Damit konnten sie auch nicht mehr gegen den Bebauungsplan vorgehen. Das tun dagegen Bewohner eines Hauses am Olivaer Platz, die sich zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen haben.

Man halte den Bebauungsplan für rechtswidrig, weil der Flächennutzungsplan hier eine Grünanlage als Verbindung zwischen dem Olivaer Platz und dem Preußenpark vorsieht, sagt Jens-Peter Kruse von der Initiative. Was die Anlieger noch viel mehr auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass neben Gebäuden an der Württembergischen und der Düsseldorfer Straße auch ein Querriegel zum Olivaer Platz hin entstehen soll. „Dann blicken wir auf einen siebengeschossigen Bau statt auf eine Laubenkolonie“, so Kruse.

Es werden auch Bäume gepflanzt, geplant ist ein 15 Meter breiter Grünzug mit Spielplatz, so Bauwert-Sprecher Henning Hausmann. Die Gebäudeabstände zu den Nachbarn seien größer als vorgeschrieben. Man habe das Grundstück trotz laufender Klage gekauft und sei überzeugt, dass der Bebauungsplan Bestand hat.

Die Berliner Bauwert-Gruppe hat das knapp 14 000 Quadratmeter große Grundstück zum 1. Juli vom Liegenschaftsfonds Berlin erworben und will 85 Millionen Euro investieren. Die anfängliche Planung wurde deutlich überarbeitet. Ab Anfang 2011 will das Unternehmen auf dem Areal der einstigen Laubenkolonie jetzt 15 individuell gestaltete Häuser mit insgesamt 210 Eigentums- und Mietwohnungen errichten. 60 Prozent der Fläche sollen als Grün- und Gartenanlage gestaltet werden, die zum Teil öffentlich zugänglich sein wird. Die Anwohner haben signalisiert, dass sie die Klage zurückziehen könnten, wenn auf den Bau des Querriegels verzichtet und die Tiefgarage zugunsten von mehr Grün verkleinert wird.

Wie das OVG auch entscheiden wird, für die Laubenpieper kommt das Urteil zu spät. Dennoch hoffen sie auf eine Genugtuung durch einen Erfolg der Anliegerklage. „Ich drück’ den Leuten die Daumen“, so Paul Lichtenthäler von der Initiative „Gärten retten“. Vorsorglich haben die Anwohner bereits eine zweite Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht, um bei einer Aufhebung des Bebauungsplanes auch den Baubeginn zu verhindern.

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