Berlin-Hellersdorf : Neuer Fall von Kindesvernachlässigung

Polizisten entdeckten am Donnerstagnachmittag erneut eine völlig verwahrloste Wohnung, in der eine Alleinerziehende mit ihren beiden Töchtern und drei Hunden lebte. Die Mädchen wurden dem Kindernotdienst übergeben.

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Die Polizei war wegen des Verdachts der Kindesmisshandlung zu einem Mehrfamilienhaus nach Hellersdorf gefahren. Nachbarn hatten gegen 17.30 Uhr die Notrufnummer gewählt, weil sie die Hilfeschreie eines Kindes aus dem geöffneten Fenster einer Wohnung gehört hatten. In der Wohnung lebte eine 26-jährige Frau zusammen mit ihren Töchtern im Alter von eineinhalb und sieben Jahren sowie drei großen Hunden.

Als die Beamten vor Ort ankamen, hörten sie keine Kinderschreie - nur Hundegebell war aus dem Inneren der Wohnung zu hören. Die Nachbarn berichteten den Beamten, dass sie die Mutter dabei beobachtet hatten, wie sie die Wohnung mit einem der Mädchen verlassen hatte. Trotz Klingeln und Klopfen öffnete niemand die Tür. Die Beamten befürchteten, dass dem anderen Kind etwas zugestoßen sein könnte. Die Polizisten riefen die Feuerwehr hinzu, die die Wohnungstür aufbrach.

Zum Glück bestätigte sich die Befürchtung der Polizisten nicht. In der Sechs-Zimmer-Wohnung hielten sich keine Menschen auf, stattdessen wurden die Beamten von den Hunden begrüßt. Nach Angaben der Polizei war die Wohnung "total verwahrlost", es roch stechend nach Urin. Die Böden waren mit den Ausscheidungen der Hunde besudelt; überall türmten sich schmutzige Kleidungsstücke und Abfall. Laut Polizei war die Wohnung so zugemüllt, dass die Beamten kaum in Bad und Küche kamen. In der Küche stapelte sich dreckiges Geschirr mit verschimmelten Essensresten.

Laut Polizei fanden die Beamten in der Wohnung ein Dokument mit der Telefonnummer der Mieterin. Auf den Anruf der Polizei hin kehrte die Mieterin zur Wohnung zurück; den Polizisten erklärte sie, dass sie ihre Töchter zu einer Bekannten gebracht habe. Sie selbst habe die Wohnung verlassen, um Putzutensilien für die Reinigung der Wohnung zu kaufen - nach Angaben eines Polizeisprechers eine typische Schutzbehauptung in solchen Fällen.

Die Töchter der 26-Jährigen wurden von Polizisten bei der Bekannten abgeholt und dem Kindernotdienst übergeben. Das Jugendamt muss entscheiden, ob und wann die Mädchen zu ihrer Mutter zurückkehren. Die Hunde wurden zur Tiersammelstelle gebracht. Die Polizei ermittelt wegen der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht gegen die 26-Jährige.

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