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Berlin-Mitte : SEK tasert Mann am Alexanderplatz

Ein Mann kletterte auf den Brunnen der Völkerfreundschaft am Alexanderplatz. Er verletzte sich selbst mit einer abgebrochenen Flasche und drohte mit Schlimmeren.

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Foto: dpa

Ein Mann mit freiem Oberkörper stand Montagnachmittag plötzlich auf dem Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Alexanderplatz. In der Hand hielt er einen abgebrochenen Flaschenhals, er drohte sich selbst zu verletzten, würden seine Forderungen nicht erfüllt. Er fügte sich auch Schnittverletzungen am Oberkörper zu. Was genau der Mann wollte, konnte die Berliner Polizei am Montagabend noch nicht sagen. Es sei jedoch um sein Asylverfahren gegangen, heißt es, der Mann sei aus Ägypten. Rund um den Brunnen versammelten sich hunderte Gaffer.

Polizeibeamte, Verhandler und das SEK versuchten den Mann dazu zu bewegen, von dem Brunnen herunterzukommen. Die Feuerwehr drehte die Wasserversorgung ab und stellte eine Drehleiter bereit. Erste Versuche scheiterten, nach einer Weile stieg der Mann dann freiwillig herunter.

Wieder am Boden, weigerte er sich jedoch, den abgebrochenen Flaschenhals wegzulegen. Er drohte weiter damit, sich zu verletzen. Daraufhin nutzte ein SEK-Beamter seinen Taser, um den Mann außer Gefecht zu setzen. Der Einsatz dauerte rund zwei Stunden. Der Mann befindet sich zurzeit in einem Krankenhaus, dort soll auch eine psychologische Untersuchung stattfinden.

Diskussion nach Vorfällen am Neptunbrunnen und in Hellersdorf


Der Einsatz des Tasers steht nicht im Zusammenhang mit der geplanten Testphase für die umstrittenen Elektroschock-Distanzwaffen in Mitte und Neukölln.

Das SEK hat Taser inzwischen bereits seit 15 Jahren im Einsatz. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte vor zwei Wochen im Wahlkampf gefordert, dass auch Streifenpolizisten einen Taser am Gürtel tragen sollen. Spätestens seitdem ein Beamter im Juni 2013 einen geistig verwirrten, bewaffneten Mann im Neptunbrunnen in Mitte erschoss, wird die politische Debatte um die Anschaffung der Taser geführt – auch im Kontext des sehr schlechten Zustands der Berliner Schießstände, an denen Polizisten üben.
Erst Ende August schoss eine Beamtin einem randalierenden Mann in Hellersdorf in die Brust. Der Innensenator befürwortet den Einsatz der nicht-tödlichen Waffe schon länger.

Auch die Polizeigewerkschaften GdP und BDK hatten die Anschaffung der Taser wiederholt gefordert. Die Elektroschocker mit einer Reichweite von etwa zehn Metern könnten eine Lücke zwischen der Kurzdistanzwaffe Pfefferspray und der Dienstpistole schließen, argumentieren die Taser-Befürworter.

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