Update

Berlin-Reinickendorf : Unfall statt Anschlag mit Auto: Mieter des Wagens stellt sich

In Berlin ist am Freitagabend ein Auto auf eine Menschengruppe zugerast. Ein anfänglicher Terrorverdacht bestätigte sich nicht.

von , und
Die Polizei sichert den Orts des Vorfalls am Wilhelmsruher Damm Spuren.
Die Polizei sichert den Orts des Vorfalls am Wilhelmsruher Damm Spuren.Foto: Paul Zinken/dpa

Nach Polizeiangaben vom Sonnabendmittag ist ein Mercedes gegen 20.10 Uhr im Berliner Bezirk Reinickendorf kurz vor der S-Bahnbrücke im Wilhelmsruher Damm an einer Bushaltestelle auf den Gehweg gefahren sein. Der Wagen touchierte zunächst einen haltenden Bus am Heck und rammte dann einen geparkten Roller. Anschließend soll der Wagen mit hoher Geschwindigkeit weiter über den Gehweg gefahren sein, so dass sich mindestens sieben Passanten in Sicherheit bringen mussten. Verletzt wurde niemand. Dann fuhr der Fahrer wieder zurück auf die Straße, wendete an einem Mittelstreifendurchlass, fuhr auch dort über den Gehweg und flüchtete dann rechts in den Dannenwalder Weg. Am Samstag gegen 13 Uhr meldete sich der Mieter des Wagens auf dem Polizeiabschnitt 33 in Moabit. Am Sonntag teilte die Polizei mit, dass er den Wagen nicht selbst gefahren hat, Zeugen haben seine eigenen Angaben bestätigt. Nun wird nach dem Unfallfahrer gesucht.

In der Nacht war nicht ausgeschlossen worden, dass es sich um einen gezielten Anschlag handeln könnte. Der Mercedes war von dem 35-jährigen, aus Marokko stammenden Mann gemietet worden. Dies hatte die Polizei schnell ermitteln können, da sich die Passanten das Kennzeichen gemerkt hatten. "Wir hatten in der Tat zwischenzeitlich die Befürchtung, dass es sich um einen versuchten Terroranschlag handeln könnte", sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Polizeiangaben sei der Mercedes aber auf den Gehweg gefahren, um einen Zusammenstoß mit einem wendenden Auto zu vermeiden. Dies habe sich erst am Morgen herausgestellt. "Vermutlich um einen Zusammenstoß mit dem wendenden Auto zu verhindern, wich der Fahrer des Mercedes nach rechts aus", teilte die Polizei mit. Sie verfügt nach eigenen Angaben über „gesichertes Videomaterial“ zu dem Unfall. Woher das Material stammt, blieb unklar. Die Polizei fahndet nun noch nach dem zweiten Auto, dem der Mann ausweichen musste.

Sicherheitskreise hatten bereits am Morgen keine Anzeichen für einen islamistischen Terroranschlag mehr gesehen. Bei der Durchsuchung der Wohnung des 35 Jahre alten Marokkaners, der das Fahrzeug gemietet hatte, wurde dem Vernehmen nach weißes Pulver gefunden, das möglicherweise Kokain sein könnte, weshalb eine Fahrt unter Drogeneinfluss möglich sei. Der Mieter des Fahrzeugs sei seit dem Jahr 2000 in Deutschland gemeldet und nicht näher polizeilich bekannt, er habe lediglich vor längerer Zeit seinen Pass als verloren gemeldet. Ermittler würden nun auch mithilfe der GPS-Ortung in dem Mietwagen versuchen, die Fahrt zu rekonstruieren. Badr El.-K. selbst wurde in der Wohnung nicht angetroffen – nur seine Vermieterin, eine ältere Deutsche. K. wohnt in einem ruhig gelegenen 50er-Jahre-Block nahe der Prinzenallee im obersten Geschoss. Sein Name steht nur an der Wohnungstür, nicht auf dem Klingeltableau an der Haustür. Langjährigen Mietern konnten nichts über El-K. sagen. Aufgefallen war ihnen nur der massive Polizeieinsatz. „Die waren Stunden im Haus, und es war ziemlich laut“, berichtete ein Mieter im Parterre. In der Umgebung des Blocks warten nun Zivilpolizisten auf die Rückkehr des Marokkaners.

Nach dem Auto und dem Fahrer wird weiter gesucht

Nach Angaben des Polizeipräsidiums sei nicht klar, ob der Mieter des Wagens am Freitagabend auch am Steuer gesessen habe. Die Ermittlungen hatte der für politische Motive zuständige Staatsschutz übernommen. Bereits am Samstagmorgen hatte die Polizei auf Twitter mitgeteilt, dass Zeugen das Kennzeichen ablesen konnten. Daraufhin sei noch in der Nacht die Wohnung des Mannes durchsucht worden. "Beweismittel wurden sichergestellt", schrieb die Polizei. In der Umgebung des Neubaublocks im Ortsteil Gesundbrunnen warteten Zivilkräfte der Polizei auf die Rückkehr des Mannes., der dann aber selbst sich bei der Polizei meldete. (mit dpa)

203 Kommentare

Neuester Kommentar