Berlin-Tempelhof : Schiedsrichter attackiert: Prozess um Gewalt im Amateur-Fußball

Das Verfahren um die Attacke auf einen Schiedsrichter bei einem Jugendspiel ist eingestellt worden. Der Angeklagte bestritt, zugeschlagen zu haben. „Ich habe den Mann nicht angefasst, nur geschimpft.“

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Die Polizei im Einsatz. (Symbolbild)
Die Polizei im Einsatz. (Symbolbild)Foto: dpa/Archiv

Eine unsportliche Aktion im Mittelfeld, ein Pfiff, ein schnell ausgeführter Freistoß. Doch nach dem Foul in der 50. Minute ging das B-Jugend-Fußballspiel im Chaos unter. Eltern stürmten wutentbrannt auf das Feld, einige Spieler und Zuschauer stürzten sich prügelnd auf den Schiedsrichter. Bei dem Spiel des SD Croatia gegen Trabzonspor eskalierte die Gewalt. Mehr als zwei Jahre später gab es für einen Vater ein Nachspiel vor Gericht.

Der 43-Jährige wollte im April 2012 im Friedrich-Ebert-Stadion in Tempelhof seinen Sohn anfeuern. Es gab jedoch von Anfang an ein Problem: Der offizielle Schiedsrichter fehlte. Man drückte dem 43-Jährigen die Pfeife in die Hand. Er machte seine Sache schlecht, war sich die Mehrheit am Spielfeldrand einig. „Man beleidigte mich“, stöhnte der Angeklagte. Nach 15 Minuten hatte er die Pfeife dem Croatia-Trainer zugeworfen.  

Der nächste Ersatz-Schiedsrichter ignorierte üble Pöbeleien von außen. Bis es zu dem Foul kam. Einer der Croatia-Spieler führte den Freistoß aus – und traf einen Gegner. Dieser Jugendliche habe zum Schlag ausgeholt. „Ich pfiff, da stürmten die Eltern auf den Platz, der Angeklagte griff mir an den Hals“, sagte der 36-Jährige. Acht bis zehn Personen hätten sich auf ihn gestürzt. „Ich lag unter einer Traube.“

Zeugen sprachen von einem Tohuwabohu

Der Ersatz-Schiedsrichter wurde getreten, geschlagen und schließlich mit einem Messer attackiert. Für die Messerattacke soll ein junger Mann verantwortlich sein. Dieser Täter konnte aber unerkannt entkommen. Das Opfer wurde durch einen Stich in den Oberkörper lebensbedrohlich verletzt.

Der Angeklagte bestritt eine Beteiligung an der Massenprügelei: „Ich habe den Mann nicht angefasst, nur geschimpft.“ Als ein Vorbild am Spielfeldrand, so schien es, trat er aber auch nicht auf. Ob er schlug? Zeugen konnten keine Klarheit schaffen. Sie sprachen von einem Tohuwabohu. Schließlich stellte das Gericht das Verfahren um Körperverletzung gegen den Mann ohne Vorstrafen gegen Zahlung von 360 Euro ein.

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