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Berlin-Treptow : Wespenschwarm attackiert Schulklasse

23 Kinder sind bei einem Wandertag im Plänterwald von Wespen gestochen worden. Die Lehrer riefen die Feuerwehr. Retter kühlten die Wunden und verteilten Kuscheltiere. Versehentlich ausgelöst hat den Schwarm offenbar ein Schüler.

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Die verschreckten Kinder wurden von den Rettungskräften versorgt und getröstet.
Die verschreckten Kinder wurden von den Rettungskräften versorgt und getröstet.Foto: S. Tzscheuschner

Sie summten aggressiv und waren plötzlich überall: Ein ganzer Schwarm Wespen hat sich Mittwochvormittag im Plänterwald in Treptow auf eine Grundschulklasse gestürzt, die gerade zu einem Ausflug ins Grüne aufgebrochen war. Entgegen erster Angaben der Feuerwehr handelte es sich nicht um eine Kita-Gruppe, sondern um Zweitklässler im Alter von sieben und acht Jahren. 23 Kinder und eine Betreuerin wurden gestochen, einige mehrfach. Eine Lehrerin wählte in Panik den Notruf, drei Rettungswagen waren wenig später zur Stelle. Die schmerzenden Einstiche wurden mit Eispads gekühlt und mit Salbe behandelt. Es gab keine schweren allergischen Reaktionen, deshalb musste kein Kind ins Krankenhaus gebracht werden. Ausgelöst hatte den Wespenüberfall vermutlich ein Schüler, der beim Fangenspielen auf ein Nest der Insekten getreten war. Die Sanitäter der Feuerwehr hielten für die Grundschüler noch eine weitere tröstende Medizin parat: Sie schenkten ihnen kleine Kuscheltiere.

Die Klasse der Grundschule am Heidekampgraben in Baumschulenweg war kurz nach acht Uhr vom Schulhof aufgebrochen. Etwa eineinhalb Stunden später geschah der Wespenangriff in einem Waldstück in der Nähe der Neuen Krugallee. Die Insekten verfingen sich teils in der Kleidung der schreienden Kinder, umschwärmten die Köpfe. Nach dem Einsatz der Feuerwehr brach die Klasse ihre Wanderung ab und kehrte in die Schule zurück.

„Viele Leute denken, Wespennester befinden sich nur in einer gewissen Höhe in hohlen Bäumen oder auf Dachböden, tatsächlich bauen sie ihre Nester aber auch im niedrigen Buschwerk oder in Erdhöhlungen“, sagt der Insektenexperte und Imkermeister der Freien Universität Berlin (FU), Benedikt Polaczek. Das Erdreich wirke wie eine wärmende Decke. Es sei also gut möglich, „dass eines der spielenden Kinder in ein solches Erdnest getreten ist“. Die schwarz-gelb gestreiften Insekten starteten zur Gegenwehr: zusätzlich angestachelt durch das Geschrei und den Angstschweiß der Kinder und Erzieher, auf den Wespen aggressiv reagieren. Solange allerdings keine allergische Überreaktion auftritt, sind Wespenstiche schmerzhaft, aber nicht ernsthaft gesundheitsgefährdend. Ein Coolpack aus dem Kühlschrank vermindert die Schwellung und hindert das Gift daran, weiter ins Gewebe einzudringen.

„Dieses Jahr war für die Wespen in Berlin eher ungünstig“, sagt FU-Fachmann Polaczek. Denn zu ihrer Hauptnahrung gehören Blattläuse. Diese seien aber durch den vielen Wind und Regen in der ersten Sommerhälfte „stark zurückgedrängt worden“. Folglich hätten sich auch die Wespen weniger vermehrt. Gleichwohl empfindet man sie gerade jetzt im Spätsommer als besonders lästig, weil sie mehr denn je den Zwetschgenkuchen oder das Marmeladenbrot umschwirren. Das hängt wiederum mit ihrer Königin zusammen. Denn diese wird im Spätsommer träger. Sie legt weniger Eier, aus denen meist nur noch Drohnen oder junge Königinnen schlüpfen. Deshalb müssen die Arbeiterinnen weniger Insekten fangen, um ihre Brut mit eiweißhaltiger Kost zu versorgen. Stattdessen verlegen sie sich auf süße Pflanzenkost.

Allzu lang werden die Wespenvölker in diesem Jahr aber nicht mehr überleben. Spätestens nach zwei- bis drei Nachtfrösten sterben sie, sagt Benedikt Polaczek. Nur die Königinnen überwintern in Rindenspalten oder unter Dachziegeln, um im nächsten Frühjahr ein neues Volk zu gründen. „Das ist gut so“, sagt der Wissenschaftler. „Vespula Vulgaris, die gemeine Wespe, ist ja auch sehr nützlich.“

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