Berlin-Westend : Mord an Steuerberater: Noch keine Klarheit über entdeckte Waffe

Schon vor mehreren Wochen wurde eine Waffe gefunden, die als Tatwerkzeug im Steuerberater-Mord in Westend möglicherweise in Frage kommt. Die Kriminaltechnik untersucht diese aber noch. Der Prozess gegen den verdächtigten Sohn wurde unterdessen verlängert.

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In diesem Haus in Berlin-Charlottenburg war der Steuerberater erschossen worden.
In diesem Haus in Berlin-Charlottenburg war der Steuerberater erschossen worden.Foto: dpa

Im spektakulären Mordfall an einem Notar in Westend haben Ermittler knapp ein Jahr nach der Bluttat eine scharfe Waffe sichergestellt. Ob es sich tatsächlich um die fehlende Tatwaffe handelt, ist jedoch noch offen. "Sie wird derzeit noch waffentechnisch untersucht“, bestätigte Thomas Fels, Pressesprecher der Berliner Staatsanwalt. Weitere Angaben wollte er nicht machen. Zu dem Fund soll es bei einer Durchsuchung in der Wohnung einer Bekannten der Witwe gekommen sein. Inzwischen sind für den seit April laufenden Prozess gegen den jüngsten Sohn des in seiner Kanzlei erschossenen Ingo W. weitere sechs Verhandlungstage terminiert worden. Mit einem Urteil der Jugendstrafkammer war zunächst Ende Juli gerechnet worden.

Am 8. Juli soll es nach der Aussage einer Zeugin zur Durchsuchung gekommen sein – im Zusammenhang mit dem noch immer laufenden Ermittlungsverfahren gegen die Witwe wegen des Verdachts einer möglichen Tatbeteiligung, sagte ein Gerichtssprecher. In einem Schrank sollen die Fahnder eine verschlossene Stahlkassette gefunden haben. Ein Zettel mit dem Namen der Witwe habe darauf geklebt. In der Kassette sollen sich Waffe und Munition befunden haben. War es tatsächlich die Tatwaffe? Gespannt wird gewartet. Dass nach mehrwöchiger Prüfung durch die Kriminaltechnik noch keine Bestätigung vorliegt, spricht allerdings eher dagegen.

Zehn Schüsse fielen am 12. August 2013 in der Kanzlei des Notars in Westend. Fünf Kugeln trafen ihn. Kurz darauf starb der 49-Jährige. Die Anklage geht von einem schrecklichen Ende eines eskalierenden Familienstreits aus. Die Eheleute lebten seit Ende 2011 getrennt. Es soll viel Streit gegeben haben. Die Anklage wirft dem damals 16-jährigen Sohn vor, er habe seinen Vater heimtückisch ermordet. Im Verfahren und in dem aufgrund seines Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozess soll er zu den Vorwürfen geschwiegen haben.

Die Anklage stützt sich auf Indizien. Als die Schüsse fielen, befanden sich drei Angestellte der Kanzlei in einem Nebenraum. Sie sahen Angaben zufolge einen jungen Mann, konnten ihn aber nicht identifizieren. Eine Nachbarin soll erklärt haben, dass sie den jüngsten der damals 16- und 18-jährigen Söhne des Opfers am Tattag vor der Kanzlei gesehen habe. Es gebe zudem DNA-Spuren, hieß es. 17 Prozesstage gab es bereits. Ob nun tatsächlich ein neues Beweisstück ins Spiel kommt, bleibt abzuwarten. Am 29. Juli geht die Verhandlung weiter.

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